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Depression erkennen: Wenn du dich selbst kaum wiedererkennst

Aktualisiert: 30. Juli

Eine Depression beginnt nicht immer damit, dass ein Mensch morgens nicht mehr aufstehen kann oder den ganzen Tag weint. Manche Menschen fühlen sich vor allem erschöpft. Andere sind innerlich unruhig, gereizt oder wie abgeschnitten von ihren Gefühlen. Wieder andere erledigen weiterhin ihre Arbeit, kümmern sich um ihre Familie und wirken nach außen völlig unauffällig – obwohl sie dafür jeden Tag mehr Kraft aufbringen müssen.


Oft ist zunächst nur das Gefühl da, dass etwas nicht mehr stimmt. Das Leben fühlt sich schwerer an als früher. Dinge, auf die man sich einmal gefreut hat, lösen kaum noch etwas aus. Entscheidungen werden anstrengend. Gedanken drehen sich im Kreis. Selbst freie Zeit bringt keine wirkliche Erholung.


Eine Depression ist mehr als ein vorübergehendes Stimmungstief.


Sie kann das Denken, Fühlen, den Körper und die Fähigkeit beeinflussen, den eigenen Alltag zu bewältigen. Gleichzeitig erlebt nicht jeder Mensch eine Depression auf dieselbe Weise.


In diesem Beitrag erfährst du, wie sich eine Depression von innen anfühlen kann, welche Symptome fachlich dafür sprechen, welche unterschiedlichen Faktoren an ihrer Entstehung beteiligt sein können und wann es wichtig ist, dir Unterstützung zu suchen.*


In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in München-Au erlebe ich immer wieder, dass Menschen lange zögern, weil sie ihr eigenes Leiden nicht eindeutig benennen können. Du musst jedoch nicht bereits wissen, ob du „wirklich depressiv“ bist, um dein Erleben ernst zu nehmen.






Wie fühlt sich eine Depression im Alltag an?


Das Wort Depression wird im Alltag häufig mit Traurigkeit gleichgesetzt. Traurigkeit kann Teil einer Depression sein. Sie beschreibt aber längst nicht alles.

Manche Menschen erleben eine tiefe Schwere. Andere spüren kaum noch etwas. Es kann sein, dass du nicht weinen kannst, obwohl du weißt, dass es dir schlecht geht. Oder du reagierst schneller gereizt, wirst empfindlicher und hältst die Nähe anderer Menschen kaum aus.

Auch das eigene Leben kann sich merkwürdig weit entfernt anfühlen. Du weißt vielleicht noch, dass dir bestimmte Menschen oder Tätigkeiten wichtig sind. Innerlich kommt davon aber nur wenig bei dir an.



Alles kostet mehr Kraft als früher


Aufstehen, duschen, eine Nachricht beantworten, einkaufen oder eine Mahlzeit zubereiten: Dinge, über die du früher nicht nachdenken musstest, können plötzlich zu Aufgaben werden, für die du dich innerlich sammeln musst.


Von außen ist das oft schwer zu erkennen. Du erledigst manches weiterhin, brauchst dafür aber viel länger oder bist danach völlig erschöpft. Was früher nebenbei ging, nimmt inzwischen einen großen Teil deiner Kraft in Anspruch.


Das führt nicht selten zu Selbstvorwürfen. Du siehst, was andere scheinbar mühelos schaffen, und fragst dich, warum dir selbst alles so schwerfällt. Dadurch wird aus der Erschöpfung zusätzlich das Gefühl, nicht zu genügen.



Freude, Interesse und Nähe erreichen dich kaum noch


Ein besonders typisches Erleben bei Depressionen ist nicht nur Traurigkeit, sondern der Verlust von Freude und Interesse.


Du gehst vielleicht weiterhin spazieren, triffst Freunde oder beschäftigst dich mit etwas, das dir früher wichtig war. Aber es fühlt sich anders an. Blasser. Weiter weg. Manchmal auch vollkommen gleichgültig.


Diese Veränderung kann beängstigend sein. Gerade wenn du Menschen liebst, aber ihre Nähe nicht mehr richtig spüren kannst, entsteht schnell die Sorge, mit dir oder mit der Beziehung stimme grundsätzlich etwas nicht.


Dabei kann die fehlende emotionale Resonanz Teil einer Depression sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass dir die Menschen oder dein bisheriges Leben wirklich nichts mehr bedeuten.



Die Gedanken finden keinen Ausgang mehr


Depressives Grübeln ist nicht dasselbe wie konzentriertes Nachdenken. Beim Nachdenken entsteht irgendwann eine neue Idee, eine Entscheidung oder zumindest ein nächster Schritt. Beim Grübeln kehren die Gedanken immer wieder an denselben Punkt zurück.


Du gehst vergangene Situationen durch und suchst nach Fehlern. Du überlegst, was du hättest anders machen müssen. Oder du versuchst herauszufinden, warum du dich so fühlst, kommst dabei aber zu keiner Antwort, die dich wirklich weiterbringt.


Typische Gedanken können sein:

  • Warum bekomme ich mein Leben nicht hin?

  • Was stimmt mit mir nicht?

  • Warum bin ich nicht dankbarer?

  • Was, wenn es nie wieder anders wird?

  • Habe ich alles falsch gemacht?

  • Bin ich für andere nur eine Belastung?


Je länger dieses Gedankenkreisen anhält, desto überzeugender können die eigenen negativen Bewertungen wirken. Es fühlt sich dann nicht mehr an wie ein Gedanke, sondern wie eine feststehende Wahrheit.



Rückzug schützt und macht gleichzeitig einsamer


Gespräche, Geräusche, Fragen und Erwartungen können sehr anstrengend werden. Deshalb ziehen sich viele Menschen zurück. Sie sagen Verabredungen ab, antworten später oder gar nicht mehr und verbringen mehr Zeit allein.


Kurzfristig kann das entlasten. Niemand erwartet etwas. Du musst nichts erklären und dich nicht zusammennehmen. Auf Dauer fehlen dadurch jedoch Begegnungen, Bewegung, Tagesstruktur und Momente, in denen etwas anderes als die eigenen Gedanken spürbar werden könnte. Der Rückzug kann so Teil eines Kreislaufs werden, der die Depression weiter festigt.



Du kannst noch funktionieren und trotzdem erheblich leiden


Eine Depression ist nicht erst dann vorhanden, wenn ein Mensch gar nichts mehr schafft. Bei einer leichten depressiven Episode können viele alltägliche Aktivitäten noch möglich sein. Auch bei stärkeren Beschwerden gelingt es manchen Menschen lange, ihre Aufgaben nach außen hin zu erfüllen – häufig unter enormem Kraftaufwand.


Du arbeitest, kümmerst dich, erscheinst pünktlich und wirkst vielleicht sogar besonders kontrolliert. Sobald du allein bist, bricht die Anspannung zusammen. Abends, am Wochenende oder im Urlaub bleibt dann kaum noch Kraft für dich selbst.


Der Ausdruck „hochfunktionale Depression“ wird häufig für dieses Erleben verwendet. Er ist jedoch keine eigenständige Diagnose. Dass ein Mensch noch funktioniert, sagt nur begrenzt etwas darüber aus, wie stark er innerlich leidet.




Welche Symptome können auf eine Depression hinweisen?


Für die fachliche Einordnung wird nicht nur betrachtet, ob jemand traurig oder erschöpft ist. Entscheidend ist das Gesamtbild: Welche Beschwerden liegen vor? Wie ausgeprägt sind sie? Wie lange bestehen sie? Und wie stark beeinträchtigen sie den Alltag?


Die derzeit in Deutschland gültige ICD-10 unterscheidet leichte, mittelgradige und schwere depressive Episoden. Eine depressive Episode kann einmalig auftreten oder im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung wiederkehren.



Depression oder depressive Episode – was ist der Unterschied?


vorab eine kurze Begriffsklärung: „Depression“ ist der gebräuchliche Oberbegriff für depressive Erkrankungen. Wenn eine einzelne Krankheitsphase gemeint ist, spricht die ICD-10-GM genauer von einer depressiven Episode. Treten im Laufe des Lebens wiederholt depressive Episoden auf, wird dies als rezidivierende depressive Störung bezeichnet.


Der Begriff Depression geht auf das lateinische deprimere zurück und bedeutet sinngemäß „niederdrücken“. Er beschreibt anschaulich einen möglichen Teil des Erlebens, erfasst aber nicht die gesamte Vielfalt depressiver Beschwerden.


Da Depression der umgangssprachlichere Begriff ist und somit leichter zugänglich, wird vorwiegend dieser im Blogbeitrag verwendet.



Die Hauptsymptome einer depressiven Episode


Zu den zentralen diagnostisch relevanten Symptomen gehören:

  • eine gedrückte oder depressive Stimmung,

  • der Verlust von Interesse und Freude,

  • ein verminderter Antrieb beziehungsweise eine deutlich erhöhte Ermüdbarkeit.


Nicht jedes dieser Symptome muss sich genau so anfühlen, wie es in einer diagnostischen Beschreibung klingt. Eine gedrückte Stimmung kann beispielsweise auch als Leere, Gefühllosigkeit oder anhaltende Gereiztheit erlebt werden.


Der verminderte Antrieb zeigt sich nicht nur darin, dass ein Mensch im Bett bleibt. Er kann auch bedeuten, dass jede Handlung erst innerlich angeschoben werden muss und bereits kleine Anstrengungen zu starker Müdigkeit führen.



Weitere psychische und gedankliche Symptome


Zusätzlich können auftreten:

  • Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten,

  • ein vermindertes Selbstwertgefühl,

  • starke Selbstzweifel,

  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit,

  • pessimistische Gedanken über die Zukunft,

  • anhaltendes Grübeln,

  • innere Unruhe oder starke Verlangsamung,

  • Gedanken an den Tod oder daran, nicht mehr leben zu wollen.


Gerade die Konzentrationsprobleme werden häufig unterschätzt. Betroffene lesen denselben Absatz mehrfach, verlieren mitten im Gespräch den Faden oder fühlen sich von einfachen Entscheidungen überfordert.


Auch Grübeln wird oft zunächst als persönliches Problem mit dem Denken erlebt: „Ich muss das endlich klären.“ Tatsächlich kann das festgefahrene Gedankenkreisen ein Teil der depressiven Symptomatik sein.


Zu den offiziellen Gesundheitsinformationen des Bundes gehören unter anderem Schuldgefühle, ständiges Grübeln, Konzentrationsprobleme, Rückzug, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste.



Körperliche Symptome einer Depression


Eine Depression spielt sich nicht nur im Kopf ab. Sie kann den gesamten Körper betreffen.

Möglich sind beispielsweise:

  • Ein- oder Durchschlafstörungen,

  • sehr frühes Erwachen,

  • ein deutlich erhöhtes Schlafbedürfnis ohne Erholung,

  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit,

  • Gewichtsveränderungen,

  • sexuelle Lustlosigkeit,

  • Magen-Darm-Beschwerden,

  • Kopf-, Rücken- oder andere diffuse Schmerzen,

  • Druckgefühle in Brust oder Hals,

  • Schwindel,

  • Verspannungen,

  • allgemeine Kraftlosigkeit.


Manche Menschen suchen zunächst wegen körperlicher Beschwerden ärztliche Hilfe und sprechen erst später über ihre Stimmung. Die Nationale Versorgungs-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass Betroffene häufig zuerst unspezifische Symptome wie Schlafstörungen, Schmerzen, Appetitveränderungen und allgemeine Kraftlosigkeit schildern.


Körperliche Beschwerden sollten dennoch nicht vorschnell als psychisch eingeordnet werden. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen können auch durch körperliche Erkrankungen, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder Mangelzustände entstehen. Eine ärztliche Abklärung ist deshalb besonders bei neu auftretenden, starken oder anhaltenden Beschwerden wichtig.



Leichte, mittelgradige und schwere Depression


Die Schwere einer Depression richtet sich in der klinischen Diagnostik nach der Anzahl und Ausprägung der Symptome sowie danach, wie stark der Mensch in seinem Alltag eingeschränkt ist.


Bei einer leichten depressiven Episode können viele Aufgaben noch bewältigt werden, wenn auch häufig nur mit deutlich mehr Kraft. Bei einer mittelgradigen Episode entstehen meist große Schwierigkeiten in Arbeit, Haushalt, Beziehungen oder Selbstversorgung. Eine schwere Depression kann dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten kaum noch bis gar nicht mehr möglich sind. In schweren Fällen können psychotische Symptome, ausgeprägte Suizidgefahr oder eine Vernachlässigung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme hinzukommen.


Diese Einteilung ist keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Sie zeigt aber, warum die Frage „Funktioniere ich noch?“ allein nicht ausreicht, um die Schwere des Leidens einzuschätzen.



Wie lange müssen die Symptome bestehen?


Für die offizielle Diagnose einer depressiven Episode müssen die Beschwerden nach dem ICD-10 in der Regel mindestens zwei Wochen bestehen. Bei besonders schweren oder rasch zunehmenden Symptomen ist es jedoch nicht sinnvoll, erst zwei Wochen abzuwarten.


Auch kürzere Phasen können ernst zu nehmen sein. Entscheidend ist, wie stark du leidest, ob dein Alltag zunehmend eingeschränkt ist und ob Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftreten.




Depression, depressive Verstimmung oder Erschöpfung?


Nicht jede Phase von Niedergeschlagenheit ist eine depressive Episode. Ein vorübergehendes Stimmungstief, eine Anpassungsstörung, anhaltende Erschöpfung und eine Depression können sich teilweise ähnlich anfühlen, benötigen aber eine unterschiedliche Einordnung.



Depressive Verstimmung oder vorübergehendes Stimmungstief


Eine depressive Verstimmung beschreibt zunächst eine gedrückte Stimmung, ohne automatisch eine depressive Erkrankung zu meinen. Sie kann nach einer Enttäuschung, in einer belastenden Lebensphase, bei Schlafmangel oder im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen auftreten.


Bei einem vorübergehenden Stimmungstief bleiben positive Gefühle häufig noch erreichbar. Die Stimmung reagiert eher auf gute Nachrichten, Unterstützung oder Entlastung. Meist ist das Erleben zeitlich begrenzter und beeinträchtigt den gesamten Alltag weniger tiefgreifend.


Die Grenzen sind allerdings nicht immer eindeutig. Auch eine Depression kann nach einer Trennung, einem Verlust, einer Überforderung oder einer anderen verständlichen Belastung entstehen. Ein erkennbarer Auslöser schließt eine depressive Episode nicht aus.



Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion


Depressive Beschwerden können auch im Rahmen einer Anpassungsstörung auftreten. Dabei stehen sie in einem engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit einer konkreten Belastung oder Lebensveränderung – etwa einer Trennung, einem Verlust, einer Erkrankung, beruflichen Problemen oder einer Situation, an die sich ein Mensch nur schwer anpassen kann.


Möglich sind Niedergeschlagenheit, Angst, Sorge, Überforderung und das Gefühl, den Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigen zu können. Eine Anpassungsstörung ist keine „harmlose Depression“ und auch nicht automatisch deren Vorstufe. Sie ist eine eigenständige Diagnose und kann mit erheblichem Leidensdruck verbunden sein.


Ob eine Anpassungsstörung oder eine depressive Episode vorliegt, lässt sich nicht allein daran festmachen, dass es einen nachvollziehbaren Auslöser gibt. Entscheidend sind unter anderem Art, Dauer und Schwere der Beschwerden, ihre Auswirkungen auf den Alltag und ihr Zusammenhang mit der belastenden Situation.



Depressive Episode


Bei einer Depression verdichten sich mehrere Beschwerden über einen längeren Zeitraum. Stimmung, Interesse, Antrieb, Denken, Körper und Alltag sind betroffen.


Das Erleben löst sich häufig ein Stück weit von der jeweiligen Situation. Ein schöner Tag, eine liebevolle Begegnung oder ein freies Wochenende können die Stimmung nicht mehr zuverlässig erreichen. Die Depression bleibt – manchmal sogar dann, wenn der äußere Anlass längst vorbei ist.



Erschöpfung, Burnout und „Erschöpfungsdepression“


Erschöpfung ist zunächst ein Symptom und noch keine eindeutige Diagnose. Sie kann nach lang anhaltendem Stress entstehen, Teil eines Burnouts sein, zu einer Depression gehören oder körperliche Ursachen haben.


Burnout beschreibt fachlich vor allem Erschöpfung im Zusammenhang mit chronischer beruflicher Überlastung. Häufig kommen eine zunehmende innere Distanz zur Arbeit, Gereiztheit oder Zynismus und das Gefühl hinzu, kaum noch leistungsfähig zu sein. Burnout gilt in den internationalen Klassifikationen nicht als eigenständige psychische Erkrankung.


Der ältere Begriff „Erschöpfungsdepression“ wurde dagegen für depressive Entwicklungen verwendet, bei denen lang anhaltende Überforderung und nachlassende Kräfte eine wesentliche Rolle spielen. Heute ist er keine eigenständige ICD-Diagnose.


Burnout und Erschöpfungsdepression sind daher nicht dasselbe. Ein Mensch kann stark erschöpft oder ausgebrannt sein, ohne die Kriterien einer depressiven Episode zu erfüllen. Treten zusätzlich depressive Kernsymptome wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Verlust von Freude und Interesse, Hoffnungslosigkeit und deutlicher Antriebsmangel auf, kann sich hinter einem vermeintlichen Burnout auch eine Depression verbergen oder im Verlauf eine depressive Episode entwickelt haben.


Auch hier gilt: Anhaltende Erschöpfung sollte ärztlich abgeklärt werden, da körperliche Erkrankungen, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder Mangelzustände ähnliche Beschwerden verursachen können.



Burnout oder Depression?


Burnout und Depression überschneiden sich in einigen Beschwerden, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten. Eine zuverlässige Einordnung ist nicht anhand eines einzelnen Symptoms möglich.


Wie sich Burnout, Erschöpfung und depressive Episode voneinander unterscheiden und wann mehrere Belastungen gleichzeitig vorliegen können, erkläre ich ausführlich im Beitrag.




Wie entsteht eine Depression?


Es gibt nicht die eine Ursache für Depressionen. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen. Manche machen Menschen anfälliger für eine Depression, andere lösen eine depressive Phase aus oder tragen dazu bei, dass sie sich verfestigt.


Ein hilfreiches Modell ist das biopsychosoziale Verständnis. Es betrachtet körperliche und biologische Voraussetzungen, psychische Prozesse, Beziehungserfahrungen, aktuelle Lebensbedingungen und das soziale Umfeld gemeinsam.


Übersicht wie eine Depression / eine depressive Episode entstehen kann, viele Faktoren und Schutzfaktoren


Körperliche und biologische Faktoren


Zu den möglichen Einflüssen gehören

  • familiäre Veranlagung,

  • körperliche Erkrankungen,

  • hormonelle Veränderungen,

  • Nebenwirkungen von Medikamenten

  • dauerhaft gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus.


Das bedeutet nicht, dass Depression lediglich eine „Stoffwechselstörung im Gehirn“ ist. Solche einfachen Erklärungen greifen zu kurz. Körperliche Prozesse sind ein Teil eines größeren Zusammenspiels.


Gerade bei ausgeprägter Erschöpfung, starken körperlichen Beschwerden oder einer erstmalig auftretenden Depression ist eine medizinische Abklärung wichtig. Psychotherapeutische Begleitung und ärztliche Behandlung schließen sich nicht aus. Sie können parallel stattfinden und an unterschiedlichen Ebenen ansetzen.



Belastungen, Verluste und Lebensbedingungen


Trennungen, Trauer, Konflikte, Einsamkeit, Krankheit, finanzielle Sorgen, Mobbing, unsichere Arbeitsverhältnisse, Care-Arbeit, lang anhaltender Stress uvm. können die psychische Gesundheit erheblich belasten.


Manchmal gibt es ein klares Ereignis. Manchmal ist es die Summe vieler kleiner Belastungen, die über Monate oder Jahre kaum Raum für Erholung lässt.


Dabei wäre es falsch, die Verantwortung ausschließlich beim einzelnen Menschen zu suchen. Nicht jede Erschöpfung entsteht, weil jemand seine Grenzen schlecht wahrnimmt oder nicht achtsam genug ist. Reale Überforderung bleibt reale Überforderung. Arbeitsbedingungen, familiäre Verantwortung, fehlende Unterstützung und soziale Lebensumstände gehören in die Betrachtung hinein.



Innere Muster und belastende Überzeugungen


Gleichzeitig gibt es innere Muster, die dazu beitragen können, dass Belastung lange übergangen wird.


Dazu gehören beispielsweise:

  • der eigene Wert hängt stark von Leistung ab,

  • Fehler fühlen sich bedrohlich an,

  • Pausen lösen Schuldgefühle aus,

  • andere Menschen sollen nicht enttäuscht werden,

  • eigene Bedürfnisse werden erst spät wahrgenommen,

  • man glaubt, immer stark sein zu müssen,

  • Grenzen werden erst gesetzt, wenn gar nichts mehr geht.


Diese Muster verursachen nicht automatisch eine Depression. Sie können aber dazu führen, dass Menschen lange gegen ihre Erschöpfung anarbeiten, statt sie ernst zu nehmen. Oft wird das bisherige Funktionieren sogar noch verstärkt: mehr Disziplin, mehr Kontrolle, noch weniger Raum für das eigene Erleben.




Wenn das gelebte Leben nicht mehr zum inneren Erleben passt


Aus Sicht der personzentrierten Psychotherapie kann seelisches Leiden auch mit einer zunehmenden Entfernung vom eigenen Erleben und von der eigenen Wahrheit zusammenhängen.


Ein Mensch lebt vielleicht über Jahre in einer Rolle, die im Außen gut funktioniert. Er ist zuverlässig, verständnisvoll, leistungsfähig oder für alle anderen da. Gleichzeitig bleiben eigene Gefühle, Bedürfnisse, Konflikte und Grenzen weitgehend unbeachtet.

Irgendwann trägt diese Anpassung nicht mehr.


Das kann sich in Fragen zeigen wie:

  • Lebe ich eigentlich noch mein eigenes Leben?

  • Was davon tue ich, weil es mir entspricht?

  • Was tue ich aus Angst, jemanden zu enttäuschen?

  • Welche Wahrheit spreche ich seit Langem nicht aus?

  • Welche Trauer, Wut oder Enttäuschung durfte bisher keinen Platz haben?

  • Was weiß ich innerlich längst, möchte es aber nicht wahrhaben?


Damit ist nicht gemeint, dass hinter jeder Depression eine einzelne „ungelebte Wahrheit“ steckt, die nur gefunden werden muss. Eine solche Vorstellung würde der Komplexität einer Depression nicht gerecht und könnte Betroffenen zusätzlich das Gefühl geben, sie müssten lediglich ehrlicher oder bewusster sein.


Im therapeutischen Prozess kann es dennoch bedeutsam werden, den persönlichen Zusammenhang der Symptome zu erforschen. Manchmal wird sichtbar, dass jemand schon lange in einem Konflikt lebt, die eigenen Bedürfnisse kaum kennt oder etwas festhält, das innerlich längst zu Ende ist.



Trauma und frühe Beziehungserfahrungen


Belastende oder traumatische Erfahrungen können die spätere psychische Gesundheit beeinflussen. Das gilt besonders, wenn ein Kind über lange Zeit wenig Schutz, Sicherheit oder emotionale Resonanz erlebt hat.


Menschen lernen dann möglicherweise früh, Gefühle abzuspalten, sich stark anzupassen oder in schwierigen Situationen innerlich zu erstarren. Später können Leere, Rückzug, Scham, Hoffnungslosigkeit und fehlende Lebendigkeit auftreten.


Diese Erfahrungen können mit einer Depression zusammenhängen. Sie können aber auch Teil einer posttraumatischen Belastungsstörung oder anderer Traumafolgen sein. Nicht jede Depression ist traumabedingt, und nicht jede Gefühllosigkeit ist automatisch eine Depression.



Wie eine Depression sich selbst aufrechterhalten kann


Was eine Depression ausgelöst hat, ist nicht immer dasselbe wie das, was sie später aufrechterhält.

Wer erschöpft ist, zieht sich zurück. Durch den Rückzug fehlen jedoch Bewegung, Kontakt, Tagesstruktur und positive Erfahrungen. Wer schlecht schläft, hat weniger Kraft und kann Gedanken schlechter regulieren. Wer ständig grübelt, findet immer neue Argumente dafür, warum alles aussichtslos ist. Und wer kaum noch handelt, erlebt sich zunehmend als hilflos.


Daraus kann ein Kreislauf entstehen:

Erschöpfung → Rückzug → weniger stärkende Erfahrungen → mehr Grübeln und Hoffnungslosigkeit → noch weniger Antrieb


Das ist keine Schuldfrage. Ein Mensch entscheidet sich nicht bewusst für diesen Kreislauf. Er erklärt aber, warum eine Depression manchmal weiterbesteht, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst nicht mehr so stark ist.




Welche psychischen Belastungen können gleichzeitig auftreten?


Depressive Symptome treten nicht immer allein auf. Für die Behandlung ist es wichtig, auch andere Beschwerden und frühere Phasen zu berücksichtigen.



Depression und Angst


Depressionen und Angststörungen können gleichzeitig auftreten. Manche Menschen sind niedergeschlagen und antriebslos, während ihr Körper gleichzeitig in ständiger Anspannung bleibt. Andere entwickeln depressive Beschwerden, nachdem Ängste und Vermeidung ihr Leben über längere Zeit stark eingeschränkt haben.

Auch Zukunftsängste, Grübeln und das Gefühl, den eigenen Gedanken nicht entkommen zu können, können beide Bereiche miteinander verbinden.


Wenn du mehr zum Thema Angst lesen möchtest, empfehle ich dir die folgenden Artikel:



Unter diesem Link findest du weitere Verlinkungen zu allen Arten von Angststörungen (ICD-10).



Depression und Sucht


Manche Menschen versuchen, Leere, Schlafprobleme, innere Unruhe oder belastende Gefühle mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Substanzen zu dämpfen.

Das kann kurzfristig wie eine Entlastung wirken. Langfristig können Alkohol, Medikamente und andere Substanzen depressive Beschwerden jedoch auslösen, verstärken oder verdecken. Auch ein Entzug kann mit depressiven Symptomen einhergehen.


Wenn Substanzen regelmäßig gebraucht werden, um den Alltag oder die eigenen Gefühle auszuhalten, sollte das offen angesprochen und fachlich abgeklärt werden. Je nach Ausmaß kann eine spezialisierte Suchtbehandlung notwendig sein.



Depression oder bipolare Störung?


Bei depressiven Beschwerden sollte auch danach gefragt werden, ob es früher Phasen mit ungewöhnlich gesteigertem Antrieb oder deutlich vermindertem Schlafbedürfnis gab.


Hinweise darauf können Phasen mit den folgenden Auffälligkeiten sein:

  • über mehrere Tage auffällig viel Energie,

  • kaum Schlaf, ohne sich müde zu fühlen,

  • stark gesteigerte Gesprächigkeit,

  • ungewöhnlich euphorische oder gereizte Stimmung,

  • impulsive Ausgaben,

  • riskantes Verhalten,

  • ein deutlich überhöhtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.


Solche Phasen können auf eine bipolare Störung hindeuten und sollten psychiatrisch abgeklärt werden. Das ist wichtig, weil sich die Behandlung bipolarer und unipolarer Depressionen unterscheidet. Die ICD-10-GM ordnet depressive Episoden nach früheren hypomanischen oder manischen Phasen unterschiedlich ein.




Was kannst du bei depressiven Beschwerden zunächst tun?


Eine Depression lässt sich nicht durch ein paar gute Tipps beseitigen. Schon gar nicht durch den Rat, einfach positiver zu denken, dankbarer zu sein oder mehr Disziplin zu entwickeln.

Trotzdem können erste Schritte helfen, die Situation nicht länger allein tragen zu müssen.



Sprich mit einem Menschen, dem du vertraust


Depressionen ziehen häufig in den Rückzug. Gleichzeitig kostet es viel Kraft, nach außen weiterhin den Eindruck zu vermitteln, alles sei in Ordnung.

Du musst nicht sofort alles erzählen. Ein erster Satz kann reichen:

„Mir geht es seit einiger Zeit nicht gut und ich glaube, ich brauche Unterstützung.“


Vereinbare eine ärztliche Abklärung


Besonders bei starker Erschöpfung, Schlafproblemen, körperlichen Beschwerden oder einer erstmaligen depressiven Phase ist ein Termin in der hausärztlichen Praxis sinnvoll und wichtig.

Dort können körperliche Ursachen geprüft und weitere Behandlungsschritte besprochen werden. Je nach Schweregrad kann zusätzlich eine psychiatrische Abklärung notwendig sein.



Erwarte im Moment nicht dieselbe Leistung von dir wie sonst


Viele Menschen reagieren auf nachlassende Kraft mit noch mehr Druck. Sie versuchen, ihre gewohnte Leistung durch Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten.

Das kann die Erschöpfung verstärken.


Es geht zunächst nicht darum, dein gesamtes Leben neu zu organisieren. Eher darum, unnötige Anforderungen zu reduzieren und zu prüfen, was gerade wirklich notwendig ist.



Halte den Alltag so einfach wie möglich


Eine grobe Tagesstruktur kann Orientierung geben:

  • ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen,

  • regelmäßig etwas essen und trinken,

  • Tageslicht und ein wenig Bewegung,

  • eine überschaubare Aufgabe,

  • Kontakt zu mindestens einem Menschen,

  • ein klarer Übergang in den Abend.



Sei vorsichtig mit Alkohol und beruhigenden Substanzen


Alkohol kann das Einschlafen zunächst erleichtern, verschlechtert aber häufig die Schlafqualität und kann depressive Beschwerden verstärken. Wenn du merkst, dass du Alkohol oder Medikamente zunehmend zur Regulation deiner Stimmung brauchst, sprich das ärztlich oder therapeutisch an.



Meditation ist nicht immer die richtige Soforthilfe


Achtsamkeit und Meditation können dabei helfen, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen früher wahrzunehmen. Sie sollten aber nicht dazu dienen, eine Depression „wegzumeditieren“.


Bei einer schweren Depression, starker innerer Abwesenheit, Dissoziation oder akuter Suizidalität können lange stille Meditationen überfordernd sein. Dann braucht es zunächst Stabilität, Beziehung und eine angemessene medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Versorgung.




Wenn du das Gefühl hast, dass du alleine nicht mehr weiter kommst, dann melde dich gerne einfach auf ein unverbindliches Gespräch bei mir:





Wann solltest du dir professionelle Hilfe suchen?


Du kannst dir Unterstützung suchen, bevor du eine fertige Diagnose hast. Entscheidend ist ebenfalls nicht, ob dein Leiden im Vergleich zu anderen Menschen „schlimm genug“ erscheint.


Suche zeitnah ärztliche oder therapeutische Hilfe, wenn…


  • die Beschwerden über mehrere Wochen bestehen oder zunehmen,

  • du dich immer stärker zurückziehst,

  • Arbeit, Beziehungen oder Alltag deutlich leiden,

  • du kaum noch Freude oder Interesse empfindest,

  • dein Schlaf oder Appetit sich stark verändert,

  • du dich dauerhaft erschöpft und kraftlos fühlst,

  • Grübeln und Selbstvorwürfe immer mehr Raum einnehmen,

  • du Alkohol oder Medikamente brauchst, um deine Gefühle auszuhalten,

  • du deine körperlichen Symptome nicht einordnen kannst,

  • du das Gefühl hast, allein nicht mehr aus deinem Zustand herauszufinden.


Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Psychotherapeutische und medizinische Unterstützung können sich sinnvoll ergänzen.



Hole dir sofort Hilfe, wenn …

  • du konkrete Suizidgedanken oder Suizidabsichten hast,

  • du dich akut gefährdet fühlst,

  • du Stimmen hörst, Wahnvorstellungen entwickelst oder den Bezug zur Realität verlierst,

  • du kaum noch isst oder trinkst,

  • du dich nicht mehr selbst versorgen kannst,

  • du nicht sicher bist, ob du die nächsten Stunden allein überstehst.


In einer akuten, lebensbedrohlichen Situation rufe den Notruf 112 oder gehe in die nächste psychiatrische Notaufnahme.

In Bayern erreichst du den Krisendienst Psychiatrie täglich rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 655 3000. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116117 erreichbar.

Bleibe bei akuter Suizidgefahr möglichst nicht allein und bitte einen vertrauten Menschen, bei dir zu bleiben oder dich zur nächsten Hilfe zu begleiten.




Wie kann Psychotherapie bei Depression unterstützen?


In einer Depression kann sich das eigene Denken stark verengen. Es fühlt sich an, als gäbe es keine Möglichkeiten mehr, obwohl von außen vielleicht mehrere Wege sichtbar wären.


Psychotherapie schafft zunächst einen Ort, an dem du nicht funktionieren und nichts beweisen musst. Das, was du erlebst, darf ausgesprochen und gemeinsam sortiert werden.


In der Therapie kann es unter anderem darum gehen,

  • besser zu verstehen, was zu deinem Zustand beigetragen hat,

  • Grübelschleifen und selbstabwertende Gedanken wahrzunehmen,

  • Gefühle wieder unterscheiden und zulassen zu können,

  • eigene Bedürfnisse und Grenzen früher zu bemerken,

  • belastende Beziehungsmuster zu verstehen,

  • Handlungsmöglichkeiten zurückzugewinnen,

  • wieder mehr Kontakt zum eigenen Körper und Erleben zu entwickeln,

  • konkrete Veränderungen im Alltag vorzubereiten.


In meiner Arbeit in München-Au bildet die klientenzentrierte Gesprächstherapie nach Carl Rogers die Grundlage. Je nachdem, was sich im gemeinsamen Prozess zeigt, können ergänzend Elemente aus Körperwahrnehmung, Achtsamkeit, Systemik und Bewusstseinsarbeit einfließen.



Du musst vorher nicht entscheiden, welche Methode du brauchst. Wir beginnen mit Gesprächen und dem, was dich beschäftigt. Ich mache dir Vorschläge, wenn eine Übung oder ein anderer Zugang den Prozess unterstützen könnte. Du entscheidest jederzeit selbst, was sich für dich stimmig anfühlt.


Bei schweren Depressionen, akuter Suizidalität, psychotischen Symptomen oder dem Verdacht auf eine bipolare Störung reicht eine alleinige Begleitung in meiner Privatpraxis nicht aus. Dann braucht es zusätzlich beziehungsweise vorrangig ärztliche, psychiatrische oder klinische Behandlung.


Melde dich gerne für ein ganz unverbindliches und kostenfreies Kennenlerntelefonat.



Zur Autorin: Hallo, ich bin Selina, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich arbeite mit Einzelpersonen und mit Gruppen in meiner Praxis in München-Au und online.


Mein Menschenbild ist von der Überzeugung geprägt, dass jeder Mensch selbst am besten weiß, was für sie oder ihn richtig ist. Ich unterstütze Menschen dabei, genau diese innere Stimme zu finden.


Die von mir angewandte Gesprächstherapie wird untermalt mit Interventionen aus Achtsamkeit & Meditation und Tools aus der Systemik, um innere Wahrheiten für dich sichtbar zu machen.




Selina Futterer, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Gesprächstherapie München


Häufige Fragen zum Erkennen einer Depression


Kann ich depressiv sein, obwohl ich noch funktioniere?

Ja. Gerade bei einer leichten Depression können viele alltägliche Aufgaben noch bewältigt werden. Manche Menschen funktionieren auch bei stärkeren Beschwerden lange weiter, benötigen dafür jedoch sehr viel Kraft.

Entscheidend ist nicht nur, was du nach außen noch schaffst, sondern wie es dir dabei geht, wie stark du leidest und was nach dem Funktionieren noch von dir übrig bleibt.


Kann Erschöpfung ein Zeichen für eine Depression sein?

Ja. Antriebsmangel, schnelle Ermüdbarkeit und Kraftlosigkeit gehören zu den typischen Symptomen einer Depression. Erschöpfung kann jedoch auch andere psychische oder körperliche Ursachen haben. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, besonders wenn sie neu, stark oder anhaltend ist.


Können Depression und Angst gleichzeitig auftreten?

Ja. Depressionen und Angststörungen können gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig verstärken. Manche Menschen erleben gleichzeitig Rückzug, Hoffnungslosigkeit, starke Sorgen, Grübeln und körperliche Anspannung.


Wie lange dauert eine depressive Episode?

Das lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Depressive Episoden können wenige Wochen, mehrere Monate oder länger andauern. Verlauf und Dauer hängen unter anderem von der Schwere, früheren Episoden, weiteren Erkrankungen, Lebensbedingungen und der Behandlung ab. Die ICD-10-GM beschreibt bei wiederkehrenden Depressionen eine mögliche Dauer von wenigen Wochen bis zu vielen Monaten.


Was passiert, wenn eine Depression nicht behandelt wird?

Eine Depression kann auch ohne Behandlung abklingen. Sie kann aber ebenso länger bestehen, schwerer werden oder wiederkehren. Rückzug, Schlafprobleme, Substanzkonsum, soziale Konflikte und der Verlust von Tagesstruktur können den Verlauf zusätzlich belasten.

Besonders wegen des erhöhten Suizidrisikos sollten deutliche oder zunehmende Beschwerden nicht einfach ausgesessen werden.


Wie aussagekräftig sind Online-Depressionstests?

Ein seriöser Fragebogen kann erste Hinweise geben und dabei helfen, die eigenen Beschwerden strukturierter wahrzunehmen. Er kann jedoch keine Diagnose stellen.

Das Ergebnis hängt davon ab, wie die Fragen verstanden und beantwortet werden. Körperliche Ursachen, bipolare Verläufe, Traumafolgen, Substanzkonsum und andere psychische Erkrankungen lassen sich durch einen einfachen Online-Test nicht ausreichend abklären.


Muss ich für eine Therapie bereits eine Diagnose haben?

Nein. Du kannst dich auch dann an mich wenden, wenn du noch nicht weißt, wie dein Erleben einzuordnen ist. Im ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, was dich belastet und ob mein Angebot zu deiner Situation passt.

Wenn eine zusätzliche ärztliche oder psychiatrische Abklärung notwendig erscheint, spreche ich das offen an.


Können Medikamente und Psychotherapie kombiniert werden?

Ja. Psychotherapie und eine ärztlich verordnete medikamentöse Behandlung können kombiniert werden. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Schwere der Depression, früheren Verläufen, weiteren Erkrankungen und deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Psychotherapie und Antidepressiva gehören zu den zentralen Behandlungsoptionen bei Depressionen.


*Hinweis zur Einordnung

Dieser Beitrag dient der Information und ersten Orientierung. Er ersetzt keine persönliche Diagnostik und keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung.

Anhaltende Erschöpfung und körperliche Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei akuten Suizidgedanken, Selbstgefährdung, psychotischen Symptomen oder einer schweren Verschlechterung ist sofortige professionelle Hilfe notwendig.

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