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Was hat Meditation mit Psychotherapie zu tun?


Meditation ist in aller Munde und vielleicht fragst du dich schon länger, ob du vielleicht einfach anfangen solltest zu meditieren anstatt eine Therapie zu machen. So nach dem Motto: Ein paar

Minuten ohne Gedanken zu Hause auf dem Sofa sitzen und entspannen – und alles wird gut (ja, seehr überspitzt dargestellt).


Meine Haltung hier ist: Meditation ist wundervoll - ersetzt aber keine Psychotherapie für psychisch kranke Menschen. 

Hände formen ein Herz, Hintergrund pink, Wärme


Und nichtsdestotrotz ist sie unglaublich

wertvoll: als ergänzende Ressource,

die deinen therapeutischen Prozess

unterstützen kann.






Wie verstehe ich Meditation in diesem Artikel?

In diesem Artikel verstehe ich Meditation als eine Form von Achtsamkeitstraining: Du lernst, deine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken – auf das, was im Moment gerade da ist: deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Um dadurch weniger automatisch in Grübeln, Selbstkritik oder „Funktionieren“ zu rutschen. Es geht nicht um Optimierung oder darum „nicht zu denken“, sondern um die Rückkehr in den gegenwärtigen Moment und somit zu dir selbst.


Für Menschen mit psychischen Krankheiten ist es wichtig, Meditation im richtigen Rahmen, im richtigen Maß und vor allem sicher begleitet durchzuführen. In einem professionellen Kontext, in welchem dein Erleben in der Meditation gemeinsam mit einer (Meditations-)Therapeutin oder -therapeuten eingeordnet wird.



Warum Meditation keine Therapie ersetzt


  • Diagnostik & Psychoedukation In Therapie geht es auch darum, mögliche Symptome zu erfassen und diese ggf. in ein Krankheitsbild einzuordnen. Und sich anzuschauen, was psychisch ist und was vielleicht auch körperlich. Man stellt sich die Fragen: braucht es ggf. eine ärztliche Abklärung? Benötigst du ggf. psychiatrische Unterstützung in Form von Medikamenten?


  • Beziehung Therapie ist ein Beziehungsraum, der dir genau die Sicherheit gibt, die du in dir vielleicht (noch) nicht findest. Eine verlässliche, vertrauensvolle Beziehung kann ggf. überhaupt erst ermöglichen, dass sich etwas zeigt.


  • Krisenintervention

    Bei Krisen (z. B. starke Instabilität, Überforderung, akute Not, Suizidalität) braucht es oft sehr konkrete Stabilisierung, Orientierung und ggf. ein enges Sicherheitsnetz. In sehr akuten Situationen kann es sogar nötig sein, den Rettungsdienst oder psychiatrische Unterstützung hinzuzuziehen. Meditation ist dafür nicht gemacht und kann in solchen Phasen sogar überfordernd sein.



Was Meditation in der Therapie wirklich stärkt


Lass uns anschauen, wie genau die Meditation in der Psychotherapie wirken kann und warum sie therapeutisch hilfreich sein kann.



Scrabble Schriftzug Inhale Exhale Repeat, Hintergrund weiß

Meditation ist u.a. ein Training, das bestimmte Fähigkeiten stärkt:

  • Aufmerksamkeit

  • Wahrnehmung

  • Regulation

Und wie bei jedem Training gilt:

kleine häufige Wiederholungen wirken oft nachhaltiger als vereinzelte große Anläufe.




1) Aufmerksamkeit: Du merkst früher, was gerade passiert

Viele Menschen bemerken erst spät oder gar nicht, dass sie im Autopilotmodus unterwegs sind: in Gedankenschleifen, in Stresszuständen, in automatisch ablaufenden Mustern. Vielleicht kennst du das ebenfalls. Meditation kann helfen, früher zu registrieren, wo du gerade innerlich bist: in deinem Kopf, an einem anderen Ort oder in der Zukunft, in einer alten kindlichen Perspektive oder in einem alten Stressmuster deines Nervensystems.

Therapeutisch ist das relevant, weil Veränderung oft nicht damit beginnt, etwas „wegzumachen“, sondern damit, es überhaupt (rechtzeitig) zu bemerken.


2) Selbstwahrnehmung: Du kommst dir selbst näher

In Therapie arbeiten wir nicht nur mit dem, was du denkst, sondern auch mit dem, was du fühlst und wie du es im Körper erlebst. Meditation kann diese Selbstwahrnehmung schulen:

  • „Wie geht es mir wirklich, unter dem Deckmantel des Funktionierens?“

  • „Was spüre ich im Körper, wenn ich Angst habe?“

  • „Welche Emotion ist eigentlich da, bevor ich sie erkläre oder wegdrücke?“

D.h. du kommst mehr und mehr in deinem Körper an und nimmst in der Meditation - und nach und nach auch in deinem normalen Alltag - dein Innenleben bewusster wahr.


3) Emotionsregulation: Deine Gefühle halten, ohne dich darin zu verlieren

Viele von uns haben zwei Standardstrategien gelernt:

  • Überflutung (ich bin das Gefühl)

  • Vermeidung (ich gehe davon weg, ich lenke mich ab, ich funktioniere)

Meditation kann – passend dosiert – ein Training sein, bei dir zu bleiben, wenn es innerlich unangenehm wird. Nicht mit Zwang, sondern als sanfter Lernprozess:

„Ich kann das spüren, ohne daran kaputtzugehen.“ "Ich kann das spüren, ohne dass ich mich nur hilflos fühle." Sonnen Gefühle nach und nach ihre Bedrohlichkeit verlieren.

Dieser Prozess hilft dir in der Therapie die aufkommenden Gefühle zwischen den Sitzungen selbst zu halten. Es gibt dir nach und nach ein Gefühl von Selbstermächtigung: Du hast wieder die "Macht" und bist deinen Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert.


Mann meditiert auf Felsen in Bergen, schwarz weiß Bild, Natur

4) Abstand zu Gedanken: Raus aus der Identifikation mit dem Verstand

Ein häufiger Effekt der Beobachtung in der Meditation ist: Gedanken werden erkennbarer als das, was sie sind – einfach nur Gedanken. Das bedeutet nicht, dass du keine Gedanken mehr haben wirst. Sondern du bekommst mit der Zeit eine Wahl, ob du den Gedanken folgen und dich in sie verstricken willst, oder ob du sie ziehen lassen möchtest (z.B. wie Wolken am Himmel, die weiterziehen). Gerade bei starkem Grübeln, innerem Druck oder Selbstkritik kann dich das entlasten – weil du nicht jeden Gedanken glauben musst oder jedes Problem lösen musst, das dir sein Verstand einredet. Anstatt dessen kannst du zurück kommen in die Gegenwart. In der Therapie nutzen wir dann die von dir nach und nach aufgespürten Gedankenmuster um tief sitzende Glaubenssätze zu identifizieren und uns diese gemeinsam genau anzuschauen.


5) Meditation als Beziehung zu dir selbst: Dein innerer Tonfall wird sichtbar

Meditation zeigt dir nicht nur Inhalte, sondern auch deine Haltung. Damit meine ich, wie du innerlich mit dir selbst sprichst: streng, antreibend, misstrauisch, abwertend – oder freundlich, zugewandt, ehrlich. Und auch, mit welcher Haltung du deinen Mitmenschen begegnest und wie sich das ggf. auf eure Verbindung auswirkt.

Und auch das sind wertvolle Einsichten für die Therapie: Wenn du beginnst, deine innere Haltung zu verstehen, kann dich das stark entlasten und deinen Blick auf dein Leben verändern.



Was haben Gesprächstherapie nach Rogers und Meditation gemeinsam?


Gesprächstherapie nach Rogers und Meditation haben mehr gemeinsam, als viele denken.


Lila Buchstaben in Schaufenster: LIFE IS NOW


In beiden Herangehensweisen geht es darum, im gegenwärtigen Moment anzukommen und dem, was sich zeigt, mit einer nicht wertenden, freundlichen Haltung zu begegnen – statt es sofort zu analysieren und „wegzumachen“.




In der Gesprächstherapie entsteht dieser Raum vor allem durch die dir entgegengebrachte Empathie, dieKongruenz bzw. Echtheit der Therapeut*in und die bedingungslose Annahme die du erfährst. Im aktiven Zuhören wird dir behutsam zurück gespiegelt, was innerlich gerade läuft, sodass dein Erleben für dich selbst klarer werden kann und sich dann oft von selbst ordnet.


Meditation übt die selbe Bewegung nach innen: sich selbst wahrnehmen, Gefühle und Körperempfindungen benennen und ins Hier und Jetzt zurückkommen – um dadurch weniger automatisch in Bewertungen, Selbstkritik oder Schutzstrategien zu rutschen.


Gemeinsam ist beiden auch, dass Veränderung nicht über Druck entsteht, sondern über Kontakt: Präsenz, Offenheit und die Erlaubnis, dass Gefühle und Bedürfnisse auftauchen dürfen.


Das Verbindende lässt sich also folgendermaßen zusammenfassen: (1) Präsenz statt Autopilot (2) Akzeptanz statt Urteil und loswerden wollen (3) echtes Zuhören: nach außen im Gespräch, nach innen in der Meditation.



Wie Meditation in einer Therapie bei mir eingebunden werden kann


Erst schauen wir uns in Ruhe deine Thematik an. Wenn es passt und du offen dafür bist, schlage ich dir geeignete Übungen vor, ggf. auch für zwischen den Sitzungen. Denn wenn Meditation passend eingesetzt wird, kann sie den Prozess, der in Therapie angestoßen wird, zwischen den Sitzungen wunderbar unterstützen.


Bei der Auswahl der richtigen Methode schauen wir uns gemeinsam an, was sich für dich stimmig anfühlt. Welche verschiedenen Meditationsarten es gibt, schauen wir uns in einem der nächsten Blogartikel an.


Dabei kann es sein, dass wir ganz offen heran gehen, aber auch, dass wir deine Übungen mit deinen Themen verknüpfen. Sodass Meditation nicht zu einem separaten Projekt wird, sondern genau das unterstützt, was dich aktuell beschäftigt: z. B. Selbstkritik bemerken, Grenzen spüren, Gefühle halten, oder auch den Körper einbeziehen.


Es kann sinnvoll sein, dass du dir nach deinen Übungen Notizen machst und dafür ein paar Reflexionsfragen miteinbeziehst: Wie ging es dir vor der Übung, wie danach? Was ist während der Übung aufgetaucht? Was wird mit der Zeit leichter, was wird schwieriger? Deine Beobachtungen und Erkenntnisse fließen dann zurück in unser therapeutisches Gespräch und der Kreis schließt sich.



Wann Meditation nicht die richtige Wahl ist


Es gibt Situationen, in denen Meditation (noch) nicht geeignet für dich ist oder sehr achtsam angepasst werden sollte. Unabhängig davon ob du zu Hause bist, oder in einem therapeutischen Setting.


Psychedelischer Tunnel, beige, weiß, petrol farben

Meditation als Flucht

Wenn du das Bedüfniss hast allem zu entfliehen und dich "wegzubeamen", ist Meditation nicht das Mittel der Wahl für dich (Anmerkung: Auch andere Arten zu flüchten, wie Alkohol oder Drogen, sind aus therapeutischer Sicht nicht das Mittel der Wahl). Eine Flucht aus deinem Leben kann sich kurzfristig angenehm anfühlen, ist aber nichts, was therapeutisch unterstützend wirkt (wichtig: Flucht ist nicht gleichzusetzen mit langfristiger Stabilisierung).


Bei starker Instabilität und Trauma-Folgen

Es gibt Zustände, in denen gewisse Meditationspraktiken sogar kontraindiziert sein können. Wenn Du neben dir stehst (Depersonalisation), dir deine Umwelt seltsam oder fremd vorkommt (Derealisation), du dich taub anfühlst (Dissoziation), du dich einem psychotischen Zustand näherst, du dich emotional instabil oder disreguliert fühlst (Flashbacks, Angst & Panik, sehr stark disreguliertes Nervensystem), kann eine Meditation diesen Zustand noch verstärken und sollte - wenn überhaupt - nur begleitet und sehr gering dosiert vorgenommen werden. Und das auch nur, wenn du bereits weißt, wie du auf gewissen Praktiken reagierst.



Fazit


Die Grenzen zwischen dem Wunsch nach Persönlichkeitsentwicklung und einem Leidensdruck, der aufgrund einer psychischen Erkrankung entsteht, sind fließend.

Ich möchte dir in meiner Praxis den Raum geben, dich auf der einen Seite - ohne Diagnosendruck - zu entwickeln und auf der anderen Seite den professionellen Rahmen bieten, den es braucht, wenn du mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hast.


So oder so kann Meditation alleine eine Psychotherapie nicht ersetzen, dir jedoch eine wundervolle Ressource sein, die dich dabei unterstützt dich selbst zu erkennen und dir selbst näher zu kommen.


Solltest du dir nicht sicher sein, welcher Weg der richtige für dich ist und ob Meditation in einem therapeutischen Setting für dich passend ist, lass uns das gerne gemeinsam herausfinden. Auch in deinem ersten Kennlerngespräch können wir das gerne erörtern.



Häufige Fragen (FAQ)


Kann Meditation Therapie ersetzen?

Nein. Meditation kann unterstützen, aber sie ersetzt keine Psychotherapie (s.o.).


Wie oft / wie lange muss ich meditieren, damit es „wirkt“?

Viele scheitern an zu großen Zielen. Auch wenn sich gefühlt hier die Katze in den Schwanz beißt: damit Meditation "wirken" kann, solltest du mit einer absichtlosen und entspannten Haltung in die Übungen gehen. Auch zählt hier die Regelmäßigkeit und nicht die Dauer. Am Anfang ist weniger oft mehr.


Was, wenn ich beim Meditieren unruhig werde oder es mir schlechter geht?

Dann ist das ein wichtiges Signal das du ernst nehmen darfst. Reduziere Intensität, ändere die Form. Öffne z.B. die Augen, suche dir einen äußeren Anker, beziehe dich stärker auf deinen Körper (Spüre die Füße auf dem Boden, fühle wie deine Schultern sich anfühlen etc.) oder gehe in eine langsame Bewegung. Bei starker psychischer Belastung ist Begleitung sinnvoll und wichtig, um Nebenwirkungen und Überforderung zu vermeiden.


Welche Meditationsform ist „die richtige“?

Es gibt nicht die eine richtige Meditationsform. Die Bandbreite ist hier sehr groß und Meditation ist nicht gleich Meditation. Ich persönlich halte es für wertvoll, sich im Laufe der Zeit verschiedene Formen anzuschauen, um dann im jeweiligen Moment auswählen zu können, welche Meditation sich jetzt gerade richtig anfühlt.

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