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Burnout erkennen: Wenn du nur noch funktionierst und deine Kraft immer weniger wird

Vielleicht bewältigst du deinen Alltag noch, aber alles kostet zunehmend Kraft. Nach Feierabend bleibt kaum Energie für dich. Du bist müde, kannst trotzdem nicht abschalten, und selbst freie Tage bringen kaum Erholung.


Auch deine Haltung kann sich verändern: Was dir einmal wichtig war, wird dir zu viel. Du reagierst gereizter, distanzierter oder gleichgültiger und erkennst dich selbst darin kaum wieder.


Burnout entwickelt sich meist schleichend. Fachlich beschreibt der Begriff ein Erschöpfungsphänomen infolge chronischen Arbeitsstresses. Im Alltag wird er jedoch auch für Überlastung durch Pflege, Elternschaft, Studium, Selbstständigkeit oder dauerhafte Mehrfachbelastung verwendet.


In diesem Beitrag erfährst du, woran du Burnout erkennen kannst, welche Ursachen und tieferen Zusammenhänge eine Rolle spielen können, wie sich Burnout von Stress, Depression, Neurasthenie und ME/CFS unterscheidet und was dir helfen kann.


In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in München-Au begleite ich Menschen, die oft lange funktioniert haben, bevor sie ihre Erschöpfung wirklich ernst nehmen konnten. Du musst nicht erst vollständig zusammenbrechen, um dir Unterstützung zu suchen.



Die Inhalte auf einen Blick:

Wie fühlt sich Burnout im Alltag an?

Was ist Burnout eigentlich – und was nicht?

Welche Symptome und Warnzeichen können auf Burnout hinweisen?

Wie entsteht Burnout – und warum trifft dauerhafte Überlastung Menschen unterschiedlich?

Wege in die Erschöpfung - 3 Beispiele

Burnout, Depression, Erschöpfungsdepression oder Neurasthenie?

Was hilft bei Burnout?

Wann solltest du ärztliche oder therapeutische Hilfe suchen?

Wie kann Psychotherapie bei Burnout unterstützen?

Häufige Fragen zu Burnout


Wie fühlt sich Burnout im Alltag an?


Burnout wird häufig auf Müdigkeit reduziert. Tatsächlich fühlen sich viele Betroffene aber gleichzeitig erschöpft, angespannt und innerlich getrieben. Selbst Ruhe führt immer seltener zu echter Erholung.



Du funktionierst weiter, aber nichts geht mehr leicht


Was früher selbstverständlich war, kostet zunehmend Willenskraft. Du arbeitest Aufgaben ab, reagierst auf Anforderungen und versuchst, nichts liegen zu lassen. Dabei geht immer mehr Energie dafür drauf, nach außen normal zu wirken.

Für das eigene Leben bleibt kaum Kraft. Einkaufen, Kochen, Bewegung, Freundschaften oder Entscheidungen werden anstrengend. Manche halten unter der Woche durch und verbringen das Wochenende fast nur noch auf dem Sofa.

Gerade leistungsfähige Menschen gleichen ihre nachlassende Kraft lange aus: Sie arbeiten länger, kontrollieren mehr und verzichten auf Pausen.



Erholung erreicht dich nicht mehr richtig


In einer normalen Belastungsphase helfen ein freier Abend, ein Wochenende oder Urlaub meist spürbar. Bei fortgeschrittener Erschöpfung reicht das immer weniger.

Vielleicht schläfst du lange und wachst trotzdem müde auf. Oder du bist erschöpft, findest innerlich aber keine Ruhe. Sobald nichts mehr zu tun ist, beginnen die Gedanken zu kreisen.

Manche spüren erst im Urlaub, wie erschöpft sie wirklich sind. Wenn der äußere Druck nachlässt, wird sichtbar, was das Funktionieren vorher überdeckt hat.



Aus Engagement wird Distanz


Ein typisches Burnout-Merkmal ist die wachsende innere Distanz zur Arbeit.

Aufgaben, Kolleginnen, Kunden oder Menschen, für die du verantwortlich bist, werden zunehmend zur Belastung. Aus Interesse wird Gleichgültigkeit, aus Idealismus Zynismus. Du reagierst gereizter und erkennst dich darin vielleicht selbst kaum wieder.

Diese Distanz kann zunächst schützen, wenn innerlich längst zu viel geworden ist.



Du zweifelst an dir und deiner Leistungsfähigkeit


Bei Burnout sinkt häufig nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Du machst mehr Fehler, vergisst Dinge, kannst dich schlechter konzentrieren oder brauchst länger für Entscheidungen. Dadurch entsteht leicht ein Kreislauf:

Du fühlst dich weniger leistungsfähig, strengst dich noch stärker an und hast noch weniger Gelegenheit, dich zu erholen.

Besonders belastend ist das, wenn dein Selbstwert eng mit Leistung, Zuverlässigkeit oder Verantwortung verbunden ist.




Was ist Burnout eigentlich – und was nicht?


Die Weltgesundheitsorganisation führt Burnout in der ICD-11 als arbeitsbezogenes Phänomen, nicht als eigenständige Erkrankung.*


Beschrieben werden drei zentrale Bereiche:

  • starke Erschöpfung oder Energieverlust,

  • zunehmende mentale Distanz zur Arbeit beziehungsweise Negativität oder Zynismus,

  • ein vermindertes Gefühl beruflicher Leistungsfähigkeit.


Die WHO begrenzt die Bezeichnung ausdrücklich auf den beruflichen Kontext.

In der deutschen ICD-10-GM wird „Ausgebranntsein [Burn-out]“ ebenfalls nicht als eigenständige psychische Störung geführt, sondern unter Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen können.

Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet oder harmlos wären. Es bedeutet nur, dass „Burnout“ keine eindeutige Diagnose ist. Hinter dem Erleben können unterschiedliche Erkrankungen, Belastungsreaktionen oder Kombinationen stehen.



Kann man Burnout auch ohne Beruf haben?


Fachlich lautet die Antwort nach der ICD-11: Burnout bezieht sich auf Arbeit.

Im Alltag verwenden Menschen den Begriff aber auch für Zustände, die durch Pflege, Elternschaft, Studium, ehrenamtliche Verantwortung oder mehrere dauerhafte Belastungen entstehen.


Das innere Erleben kann sehr ähnlich sein: Erschöpfung, Distanz, Gereiztheit, Überforderung und das Gefühl, nur noch zu funktionieren.

Für diese Situationen sind Begriffe wie anhaltende Überlastung, emotionale Erschöpfung oder Erschöpfungszustand fachlich genauer.


Für die betroffene Person ist die entscheidende Frage allerdings nicht, ob ihr Erleben sprachlich perfekt einsortiert ist, sondern wodurch es entsteht und welche Unterstützung erforderlich ist.



Stress, Erschöpfung oder Burnout?


Stress ist zunächst eine körperliche und psychische Reaktion auf Anforderungen. Er ist nicht automatisch krankhaft. In einer begrenzten Belastungsphase bleiben Zielorientierung, Handlungsfähigkeit und die Hoffnung auf Entlastung häufig erhalten.


Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus betrachtet Stress als Zusammenspiel von Anforderungen, persönlicher Bewertung und verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten.


Erschöpfung ist zunächst einmal "nur" ein Symptom. Sie kann durch Stress entstehen, aber ebenso durch Schlafmangel, Depression, körperliche Erkrankungen, Medikamente oder andere Ursachen.


Bei Burnout verdichten sich chronische arbeitsbezogene Belastung, Erschöpfung, zunehmende Distanz und sinkende berufliche Wirksamkeit. Die Übergänge sind nicht an einem bestimmten Tag oder einem einzelnen Symptom zu erkennen.



Verläuft Burnout in festen Phasen?


Bekannte Burnout-Modelle beschreiben einen Verlauf vom hohen Einsatz über die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse bis zu Rückzug, Leere und Verzweiflung.


Solche Modelle können helfen, Entwicklungen wiederzuerkennen. Sie sind aber keine diagnostische Skala, die jeder Mensch Schritt für Schritt durchläuft. Burnout kann anders beginnen, einzelne Stadien überspringen oder sich mit Angst, Depression, Sucht und körperlichen Erkrankungen vermischen.




Welche Symptome und Warnzeichen können auf Burnout hinweisen?


Keines der folgenden Symptome beweist für sich allein ein Burnout. Entscheidend sind das Zusammenspiel, die Dauer und die Verbindung zu einer anhaltenden Belastung.



Frühe Warnzeichen eines beginnenden Burnouts


Am Anfang fällt häufig weniger die Erschöpfung auf als die Art, wie ein Mensch mit zunehmender Belastung umgeht:

  • Du kannst nach der Arbeit kaum abschalten.

  • Deine Gedanken kreisen ständig um Aufgaben und mögliche Fehler.

  • Du arbeitest länger oder kontrollierst häufiger.

  • Pausen erscheinen dir unnötig oder lösen Schuldgefühle aus.

  • Du bist innerlich ständig in Bereitschaft.

  • Schlafprobleme nehmen zu.

  • Du wirst reizbarer und ungeduldiger.

  • Private Kontakte und Interessen werden zurückgestellt.

  • Du sagst dir immer häufiger: „Ich muss nur noch diese Phase überstehen.“

  • Du brauchst mehr Kaffee, Alkohol, Medikamente oder andere Mittel, um durchzuhalten oder herunterzukommen.


Das Warnzeichen ist also nicht einfach „viel arbeiten“. Entscheidend ist, dass Belastung und Regeneration immer stärker aus dem Gleichgewicht geraten und du deine bisherigen Grenzen zunehmend übergehst.



Emotionale und psychische Symptome


Mit zunehmender Erschöpfung können auftreten:

  • innere Leere,

  • Gleichgültigkeit,

  • Überforderung,

  • Gereiztheit,

  • Zynismus,

  • Ängste,

  • Niedergeschlagenheit,

  • Konzentrationsprobleme,

  • Selbstzweifel,

  • das Gefühl, keinen Sinn mehr in der eigenen Tätigkeit zu sehen,

  • Rückzug,

  • Entscheidungsschwierigkeiten,

  • das Empfinden, innerlich nur noch zu reagieren.



Körperliche Symptome


Burnout kann mit körperlichen Beschwerden einhergehen, zum Beispiel:

  • Ein- und Durchschlafstörungen,

  • frühes Erwachen,

  • dauerhafte Müdigkeit,

  • Muskelverspannungen,

  • Kopf- oder Rückenschmerzen,

  • Magen-Darm-Beschwerden,

  • Herzklopfen,

  • Schwindel,

  • Druckgefühle,

  • verminderte Belastbarkeit,

  • häufige Infekte,

  • sexuelle Lustlosigkeit.


Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für Burnout. Deshalb sollte besonders ausgeprägte, neu auftretende oder anhaltende Erschöpfung ärztlich abgeklärt werden.



Veränderungen im Verhalten und in Beziehungen


Burnout zeigt sich oft auch darin, wie ein Mensch handelt:

  • Kontakte werden abgesagt.

  • Gespräche werden als zusätzliche Belastung erlebt.

  • Konflikte nehmen zu.

  • Arbeit wird entweder immer stärker kontrolliert oder zunehmend vermieden.

  • Fehler werden aus Angst vor Kritik verheimlicht.

  • Freizeit wird fast nur noch zur Erholung von der Arbeit verwendet.

  • Alkohol, Essen, Beruhigungsmittel, Einkaufen oder digitale Ablenkung werden zur Regulation genutzt.

  • Angehörige erleben den Menschen als gereizt, abwesend oder emotional kaum erreichbar.




Wie entsteht Burnout – und warum trifft dauerhafte Überlastung Menschen unterschiedlich?


Burnout entsteht weder nur durch mangelnde Selbstfürsorge noch ausschließlich durch den Arbeitsplatz. Meist treffen reale Belastungen auf persönliche Erfahrungen, innere Überzeugungen, begrenzte Ressourcen und fehlende Regeneration.


Reale äußere Überlastung


Zu den arbeitsbezogenen Risikofaktoren gehören:

  • dauerhaft zu hohe Arbeitsmenge,

  • Personalmangel und Zeitdruck,

  • geringe Entscheidungsmöglichkeiten,

  • widersprüchliche Anforderungen,

  • mangelnde Anerkennung,

  • Konflikte oder Mobbing,

  • fehlende Unterstützung,

  • unsichere Arbeitsverhältnisse,

  • ständige Erreichbarkeit,

  • eine Diskrepanz zwischen eigenen Werten und der tatsächlichen Arbeit.


Hinzu kommen mögliche private Belastungen wie Pflege, Kinderbetreuung, finanzielle Sorgen, Krankheit oder Trennung.



Innere Muster, die Überlastung verlängern können


Menschen gehen unterschiedlich mit denselben Anforderungen um. Eine Rolle spielen können:

  • ein stark leistungsabhängiger Selbstwert,

  • Perfektionismus,

  • große Verantwortungsübernahme,

  • Angst, andere zu enttäuschen,

  • Schwierigkeiten, Nein zu sagen,

  • Schuldgefühle beim Ausruhen,

  • hohe Kontrolle,

  • Konfliktvermeidung,

  • ein spätes Wahrnehmen eigener Bedürfnisse und Grenzen.


Diese Muster sind nicht einfach schlechte Gewohnheiten. Leistungsbereitschaft, Empathie und Durchhaltevermögen können wertvolle Fähigkeiten sein. Problematisch werden sie, wenn sie keinen Gegenpol mehr haben und ein Mensch sich selbst darin verliert.



Frühe Erfahrungen und übernommene Rollen


Manche Menschen haben früh gelernt, dass Sicherheit davon abhängt, angepasst, hilfreich oder leistungsfähig zu sein. Vielleicht mussten sie Verantwortung übernehmen, Stimmungen anderer wahrnehmen oder eigene Bedürfnisse zurückstellen. Anerkennung gab es möglicherweise vor allem für gute Leistung.


Solche Erfahrungen verursachen nicht automatisch Burnout. Sie können aber erklären, warum jemand Belastung lange aushält, Hilfe schwer annimmt oder das eigene Nein kaum spürt.


Auch traumatische Erfahrungen können eine Rolle spielen. Wer Gefahr früh durch Kontrolle, Wachsamkeit, Anpassung oder Funktionieren bewältigt hat, kann diese Strategien später fortsetzen. Dann reicht es nicht immer, nur das Zeitmanagement zu verändern.



Wenn äußeres Funktionieren und inneres Erleben auseinanderfallen


Ein Mensch kann im Außen erfolgreich sein und innerlich immer weniger Verbindung zu dem haben, was er tut.


Vielleicht entspricht die Tätigkeit nicht mehr den eigenen Werten. Vielleicht bietet das bisherige Leben Sicherheit oder Anerkennung, fühlt sich aber zunehmend leer an. Vielleicht ist längst ein Nein da, das nicht ausgesprochen wird.


Hilfreiche Fragen können sein:

  • Wofür leiste ich das alles?

  • Was davon entspricht mir wirklich?

  • Wo sage ich Ja, obwohl ich Nein meine?

  • Welche Rolle halte ich aufrecht?

  • Was befürchte ich, wenn ich nicht mehr funktioniere?

  • Wer bin ich, wenn meine Leistung wegfällt?


Burnout kann dadurch auch eine Sinn- und Identitätskrise sichtbar machen. Nicht jede Erschöpfung enthält eine verborgene Botschaft. Manchmal zeigt sie aber deutlich, dass die bisherige Form des Lebens nicht mehr trägt.



Nervensystem, Daueranspannung und fehlende Regeneration


Bei chronischer Belastung kann der Körper lange in erhöhter Bereitschaft bleiben. Gedanken kreisen, Muskeln sind angespannt, der Schlaf wird leichter und selbst in Pausen fällt das Loslassen schwer.


Im Verlauf können sich Getriebenheit und völlige Erschöpfung abwechseln. Manche Menschen sind gleichzeitig müde und innerlich aufgedreht, andere werden langsam, kraftlos oder emotional wie abgeschaltet.


Das Nervensystem ist dadurch nicht „kaputt“. Seine Regulation wird unter dauerhafter Belastung jedoch schwieriger. Regeneration braucht dann häufig mehr als einen freien Abend.


Der Burnout-Kreislauf farblich dargestellt.



Wege in die Erschöpfung - 3 Beispiele


Die folgenden Beispiele sind keine festen Burnout-Typen. Sie zeigen, wie unterschiedlich anhaltende Überlastung aussehen kann.


Beispiel 1: Die Projektleiterin, die immer noch etwas auffängt

Anna ist 36 und leitet Projekte in einem mittelständischen Unternehmen. Sie ist gut organisiert, gilt als verlässlich und übernimmt Aufgaben, wenn andere ausfallen.

Seit Monaten ist ihr Team unterbesetzt. Anna beginnt früher, arbeitet abends weiter und liest am Wochenende Nachrichten. Sie sagt sich, dass sich die Lage bald beruhigen wird.

Zunächst schläft sie schlechter. Dann macht sie Flüchtigkeitsfehler und kontrolliert ihre Arbeit immer häufiger. Im Kontakt mit Kolleginnen wird sie ungeduldig. Kundenanfragen, die sie früher gerne gelöst hat, empfindet sie nur noch als Zumutung.

Trotzdem denkt sie nicht zuerst an Entlastung, sondern an bessere Organisation. Der Gedanke, eine Aufgabe abzugeben, löst Angst aus: Dann könnte sichtbar werden, dass sie es nicht mehr schafft.

Bei Anna treffen objektive Überlastung, hohe Verantwortung und ein Selbstwert, der eng mit Zuverlässigkeit verbunden ist, aufeinander.

Miriam ist 42, arbeitet in Teilzeit und hat zwei Kinder. Zusätzlich unterstützt sie ihren pflegebedürftigen Vater. Im Familienalltag plant sie Termine, Einkäufe, Schule, Arztbesuche und Geburtstage. Vieles davon wird von außen kaum gesehen.

Sie hat keinen einzelnen „Burnout-Job“. Trotzdem ist sie so gut wie nie ohne Verantwortung.

Miriam wird zunehmend gereizt. Fragen der Kinder fühlen sich wie Angriffe an. Sie sagt Verabredungen ab, weil sie nicht mehr reden möchte. Nachts wacht sie auf und geht gedanklich Listen durch. Wenn ihr Partner anbietet, etwas zu übernehmen, erklärt sie erst lange, wie es gemacht werden muss, und erledigt es am Ende selbst.

Fachlich wäre hier nicht automatisch von Burnout im Sinne der ICD-11 zu sprechen. Ihr Erleben ist dennoch eine ernsthafte emotionale und körperliche Erschöpfung durch Care-Arbeit, Mental Load, fehlende Entlastung und ein tief eingeübtes Gefühl, für das Funktionieren aller verantwortlich zu sein.

Lea ist 24 und studiert. Nach außen wirkt ihr Alltag freier als der einer Vollzeitbeschäftigten. Innerlich hat sie jedoch nie Feierabend.

Sie vergleicht sich ständig, optimiert ihre Lernpläne und empfindet jede Pause als verlorene Zeit. Ein mittelmäßiges Ergebnis fühlt sich nicht wie eine einzelne Note an, sondern wie ein Beweis dafür, dass sie nicht gut genug ist.

Lea schläft schlecht, zieht sich zurück und kann sich immer weniger konzentrieren. Weil das Lernen nicht mehr funktioniert, sitzt sie noch länger am Schreibtisch. Sie beginnt, ihre Zukunft grundsätzlich infrage zu stellen.

Bei ihr spielen Leistungsdruck, unsichere Zukunftsperspektiven, soziale Vergleiche und ein stark an Leistung gebundener Selbstwert zusammen. Auch hier wäre „Burnout“ im strengen ICD-Sinn nicht automatisch die passende Diagnose. Die zugrunde liegende Dynamik dauerhafter Überforderung ist jedoch gut erkennbar.




Burnout, Depression, Erschöpfungsdepression oder Neurasthenie?


Burnout, Depression, Erschöpfungsdepression, Neurasthenie und ME/CFS können sich in einzelnen Beschwerden ähneln. Trotzdem handelt es sich um unterschiedliche Einordnungen, bei denen Verlauf, Ursachen und typische Merkmale genau betrachtet werden müssen.



Burnout oder Depression?


Bei Burnout steht nach der fachlichen Definition der Arbeitskontext im Zentrum. Distanz, Zynismus und ein vermindertes Gefühl beruflicher Leistungsfähigkeit beziehen sich zunächst besonders auf diesen Bereich.


Eine depressive Episode betrifft das Erleben häufig umfassender. Freude und Interesse können auch in Freizeit, Beziehungen und anderen Lebensbereichen verloren gehen. Typisch sind unter anderem anhaltend depressive Stimmung, deutlicher Antriebsmangel, Hoffnungslosigkeit, Selbstwertverlust und Schuldgefühle.


In der Realität ist die Trennung nicht immer eindeutig:

  • Burnout und Depression können gleichzeitig auftreten.

  • Eine Depression kann zunächst für Burnout gehalten werden.

  • Lang anhaltende Überlastung kann das Risiko depressiver Beschwerden erhöhen.

  • Rückzug und fehlende Regeneration können beide Zustände verstärken.


Mehr zur depressiven Symptomatik findest du in meinem Beitrag:



Was bedeutet Erschöpfungsdepression?


„Erschöpfungsdepression“ ist ein älterer beschreibender Begriff und keine eigenständige aktuelle ICD-Diagnose.


Er wurde für depressive Entwicklungen verwendet, bei denen lang anhaltende Überforderung und nachlassende Kräfte als wesentlicher Zusammenhang verstanden wurden. Burnout und Erschöpfungsdepression sind nicht dasselbe.


Ein Mensch kann ausgebrannt sein, ohne die Kriterien einer depressiven Episode zu erfüllen. Treten zusätzlich deutlicher Freudverlust, depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit und umfassender Antriebsmangel auf, muss auch an eine Depression gedacht werden.



Was ist Neurasthenie?


Neurasthenie wird in der ICD-10-GM unter F48.0 als eigenständige psychische Störung geführt. Im Vordergrund stehen eine ausgeprägte geistige oder körperliche Ermüdbarkeit, sinkende Leistungsfähigkeit und das Gefühl, sich selbst nach geringer Anstrengung nur schwer zu erholen. Hinzukommen können Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Schmerzen und die Unfähigkeit, sich zu entspannen.


Der Unterschied zu Burnout liegt vor allem im Bezug der Beschwerden:

  • Burnout wird fachlich als Folge chronischen, nicht erfolgreich bewältigten Arbeitsstresses verstanden. Typisch sind Erschöpfung, zunehmende Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit.

  • Neurasthenie ist nicht auf den Beruf begrenzt. Im Mittelpunkt steht eine allgemeine geistige oder körperliche Erschöpfbarkeit nach vergleichsweise geringer Anstrengung.


Die Beschwerden können sich stark überschneiden. Neurasthenie ist deshalb nicht einfach der medizinische Begriff für Burnout: Burnout beschreibt vor allem den Zusammenhang mit chronischer beruflicher Überlastung, Neurasthenie dagegen ein allgemeineres Krankheitsbild ausgeprägter Ermüdbarkeit. Die ICD-10-GM schließt ein Burnout-Syndrom bei der Diagnose Neurasthenie ausdrücklich aus.


Die Diagnose Neurasthenie wird heute eher selten verwendet. Entscheidend bleibt deshalb eine sorgfältige Abklärung, ob hinter der Erschöpfung beispielsweise Burnout, eine Depression, eine körperliche Erkrankung, ME/CFS oder eine andere Belastung steht.



Welche körperlichen Ursachen sollten abgeklärt werden?


Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und nachlassende Leistungsfähigkeit können unter anderem zusammenhängen mit:

  • Schilddrüsenerkrankungen,

  • Blutarmut oder Eisenmangel,

  • Vitaminmängeln,

  • Schlafapnoe,

  • Infektionen,

  • hormonellen Veränderungen,

  • Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen,

  • Autoimmun- oder neurologischen Erkrankungen,

  • Nebenwirkungen von Medikamenten,

  • Alkohol oder anderen Substanzen,

  • Long/Post-COVID und ME/CFS.


Wichtig: Eine ärztliche Abklärung und eine psychotherapeutische Begleitung können parallel stattfinden.




Was hilft bei Burnout?


Burnout lässt sich nicht allein mit mehr Disziplin, besserem Zeitmanagement oder einem Wellnesswochenende lösen. Was hilft, hängt davon ab, wie weit die Erschöpfung fortgeschritten ist und wodurch sie aufrechterhalten wird.



Zuerst die reale Belastung sichtbar machen


Die erste Frage lautet nicht:

„Wie kann ich mehr aushalten?“

Sondern vor allem:

„Was genau ist hier auf Dauer nicht mehr tragbar?“

Hilfreich kann sein, für einige Tage oder Wochen konkret zu beobachten:

  • Welche Aufgaben kosten besonders viel Kraft?

  • Wo fehlt Einfluss oder Unterstützung?

  • Was wird ständig unterbrochen?

  • Welche Verantwortung trägst du zusätzlich?

  • Wann beginnt und endet deine Arbeit tatsächlich?

  • Welche Belastung ist veränderbar?

  • Welche ist derzeit nicht veränderbar?

  • Was müsstest du abgeben, reduzieren oder offen ansprechen?


Je nach Situation können ein Gespräch mit Vorgesetzten, betriebsärztliche Unterstützung, Krankschreibung, Arbeitszeitveränderung, Psychotherapie, Entlastung in der Familie oder eine Beratungsstelle notwendig sein.



Nicht nur Muster erkennen, sondern in die Tiefe gehen


Manchmal verbessert sich die Situation bereits, wenn äußere Belastungen reduziert werden. Manchmal kehrt derselbe Zustand in unterschiedlichen Arbeitsstellen oder Beziehungen wieder.


Dann lohnt es sich, tiefer zu fragen:

  • Warum bemerke ich meine Grenze erst so spät?

  • Warum fällt es mir so schwer, Hilfe anzunehmen?

  • Was bedeutet Leistung für meinen Selbstwert?

  • Welche Angst taucht auf, wenn ich Nein sage?

  • Welche Rolle habe ich schon früh übernommen?

  • Was versuche ich durch Kontrolle oder Perfektion zu verhindern?

  • Welcher Konflikt oder welche Wahrheit wird durch das Funktionieren auf Abstand gehalten?

  • Gibt es traumatische Erfahrungen, aufgrund derer Anpassung, Wachsamkeit oder Leistung zu einer Sicherheitsstrategie geworden sind?


Diese Spurensuche soll nicht behaupten, Burnout sei immer selbst verursacht. Sie hilft dabei, äußere Überlastung und innere Bindungen an das bisherige Funktionieren auseinanderzuhalten.



Die fünf Säulen der Identität nach Petzold betrachten



Eine hilfreiche Übung zur ersten Orientierung ist das Modell der fünf Säulen der Identität nach Hilarion Petzold.


Die fünf Lebensbereiche als tragende Teile der Identität werden beschrieben:

  1. Leiblichkeit und Gesundheit

  2. soziales Netz und Beziehungen

  3. Arbeit, Leistung und Freizeit

  4. materielle Sicherheit

  5. Werte und Sinn


Das Modell hilft sichtbar zu machen, worauf sich das eigene Leben und Selbstgefühl derzeit stützen.


In der Therapie kannst du für jede Säule fragen:

  • Wie stabil fühlt sie sich gerade an?

  • Wie viel Raum erhält sie in meinem Leben?

  • Wo liegen Belastungen?

  • Welche Ressourcen sind vorhanden?

  • Welche Säule trägt fast alles?

  • Welche wurde lange vernachlässigt?

  • Wo wäre eine kleine, realistische Veränderung möglich?


Bei Burnout zeigt sich häufig, dass Arbeit und Leistung einen sehr großen Teil der Identität tragen, während Körper, Beziehungen, Freizeit, Werte oder Sinn zunehmend in den Hintergrund geraten.


Die Übung ist keine Diagnostik. Sie kann aber einen ersten Überblick geben und sichtbar machen, dass Erholung nicht nur bedeutet, weniger zu arbeiten. Manchmal geht es darum, andere Bereiche des Lebens wieder stärker zu bewohnen.



Die fünf Säulen der Identität nach Petzold bei Burnout



Erholung muss wieder möglich werden


Je nach Belastbarkeit können hilfreich sein:

  • regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten,

  • echte Unterbrechungen statt Pausen am Bildschirm,

  • klare Grenzen für Erreichbarkeit,

  • Reizreduktion,

  • regelmäßiges Essen und Trinken,

  • vorsichtige Bewegung, sofern keine medizinische Belastungsintoleranz besteht,

  • soziale Unterstützung,

  • Zeiten ohne Optimierungsziel,

  • ein langsamerer Wiedereinstieg nach längerer Erkrankung.


Selbstfürsorge sollte dabei nicht zum nächsten Leistungsprogramm werden. Es geht nicht darum, Schlaf, Ernährung, Sport und Meditation perfekt zu organisieren, um danach wieder maximal funktionieren zu können.




Reicht Urlaub bei Burnout?


Urlaub kann kurzfristig entlasten. Er löst aber weder dauerhaft untragbare Arbeitsbedingungen noch tief eingeübte Muster.


Wenn die Beschwerden im Urlaub deutlich nachlassen und nach wenigen Arbeitstagen zurückkehren, ist das eine wichtige Information über den Zusammenhang mit der Belastung. Wenn Erschöpfung, Freudlosigkeit und Niedergeschlagenheit auch außerhalb der Arbeit bestehen bleiben, sollte zusätzlich an Depression oder andere Ursachen gedacht werden.



Hilft ein Jobwechsel?


Ein Jobwechsel kann sehr sinnvoll sein, wenn Arbeitsbedingungen dauerhaft krank machen und nicht veränderbar sind.

Er ist aber keine Garantie. Wer im neuen Job erneut jede Verantwortung übernimmt, keine Grenzen setzt oder den eigenen Wert ausschließlich aus Leistung bezieht, kann dieselbe Dynamik mitnehmen.


Die ehrlichere Frage lautet deshalb:

Muss sich meine Umgebung verändern, mein Umgang mit ihr – oder beides?


Können Achtsamkeit und Meditation helfen?


Achtsamkeit kann dabei unterstützen, Anspannung, Körperreaktionen, Gefühle und Grenzen früher zu bemerken. Kurze Atem- oder Körperübungen können helfen, automatische Anspannung zu unterbrechen.


Meditation ersetzt jedoch keine notwendige Veränderung der Lebensbedingungen. Sie sollte nicht dazu dienen, einen untragbaren Zustand gelassener auszuhalten.


Bei schwerer Erschöpfung, Depression, Dissoziation oder akuter Krise müssen Übungen passend ausgewählt und gegebenenfalls begleitet werden.




Wann solltest du ärztliche oder therapeutische Hilfe suchen?


Du musst nicht warten, bis du gar nicht mehr arbeiten kannst.


Zeitnahe Unterstützung ist sinnvoll, wenn:

  • die Erschöpfung über Wochen anhält oder zunimmt,

  • du dich trotz Schlaf und Pausen kaum erholst,

  • Konzentration und Leistungsfähigkeit deutlich nachlassen,

  • du immer gereizter, distanzierter oder gleichgültiger wirst,

  • dein Alltag außerhalb der Arbeit zusammenbricht,

  • Ängste, depressive Stimmung oder Hoffnungslosigkeit hinzukommen,

  • du Alkohol oder Medikamente brauchst, um durchzuhalten oder abzuschalten,

  • körperliche Beschwerden auftreten,

  • du deine Grenzen kaum noch wahrnimmst,

  • du keinen Weg mehr siehst, die Situation zu verändern.


Eine erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein. Dort können körperliche Ursachen abgeklärt, eine mögliche Arbeitsunfähigkeit besprochen und weitere Behandlungsschritte eingeleitet werden.


Hole dir sofort Hilfe, wenn du konkrete Suizidgedanken hast, dich akut gefährdet fühlst, kaum noch für dich sorgen kannst oder den Bezug zur Realität verlierst.


In einer akuten lebensbedrohlichen Situation wähle den Notruf 112 oder gehe in die nächste psychiatrische Notaufnahme. In Bayern erreichst du den Krisendienst Psychiatrie rund um die Uhr unter 0800 655 3000.




Wie kann Psychotherapie bei Burnout unterstützen?


Psychotherapie kann einen Ort schaffen, an dem du nicht weiter funktionieren musst und deine Erschöpfung weder rechtfertigen noch kleinreden brauchst.


Im gemeinsamen Prozess kann es darum gehen,

  • äußere Belastungen realistisch zu erfassen,

  • Warnzeichen und körperliche Grenzen früher wahrzunehmen,

  • Gefühle von Schuld, Versagen oder Scham zu verstehen,

  • leistungsbezogenen Selbstwert zu hinterfragen,

  • Beziehungsmuster und übernommene Rollen zu erkennen,

  • mögliche traumatische Zusammenhänge behutsam zu betrachten,

  • Entscheidungen und konkrete Veränderungen vorzubereiten,

  • wieder Zugang zu Bedürfnissen, Werten und Sinn zu finden,

  • eine Form von Leistung zu entwickeln, die dich nicht dauerhaft von dir selbst entfernt.


In meiner Privatpraxis in München-Au bildet die klientenzentrierte Gesprächstherapie nach Carl Rogers die Grundlage meiner Arbeit. Je nachdem, was sich im Gespräch zeigt, können körperorientierte Wahrnehmung, Achtsamkeit, systemische Übungen oder Bewusstseinsarbeit den Prozess ergänzen.



Du musst vorher nicht wissen, welche Vorgehensweise für dich richtig ist. Wir beginnen mit Gesprächen zu dem, was dich beschäftigt. Ich mache dir Vorschläge, wenn ein weiterer Zugang sinnvoll sein könnte. Du entscheidest dann immer selbst, was sich für dich stimmig anfühlt.


Wenn du dein Anliegen einmal ganz unverbindlich besprechen möchtest, melde dich gerne für ein kostenfreies Kennenlerntelefonat bei mir.


Zur Autorin: Hallo, ich bin Selina, Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Ich arbeite mit Einzelpersonen und mit Gruppen in meiner Praxis in München-Au und online.


Mein Menschenbild ist von der Überzeugung geprägt, dass jeder Mensch selbst am besten weiß, was für sie oder ihn richtig ist. Ich unterstütze Menschen dabei, genau diese innere Stimme zu finden.


Die von mir angewandte Gesprächstherapie wird untermalt mit Interventionen aus Achtsamkeit & Meditation und Tools aus der Systemik, um innere Wahrheiten für dich sichtbar zu machen.





Selina Futterer, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Gesprächstherapie München

Häufige Fragen zu Burnout


Ist Burnout eine psychische Erkrankung?

*Burnout ist in der ICD-11 keine eigenständige Krankheit, sondern ein arbeitsbezogenes Phänomen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Beschwerden weniger ernst oder weniger behandlungsbedürftig sind. Sie können die Gesundheit, den Alltag und die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Außerdem können gleichzeitig eine Depression, Angststörung, Anpassungsstörung, Neurasthenie oder körperliche Erkrankung vorliegen.


Kann man Burnout haben und trotzdem funktionieren?

Ja! Viele Menschen funktionieren lange weiter, obwohl ihre Kraft nach und nach - oder auch rapide abnimmt. Sie kompensieren Konzentrationsprobleme durch längere Arbeitszeiten, stärkere Kontrolle oder den Verzicht auf Freizeit. Das äußere Funktionieren sagt wenig darüber aus, wie hoch der innere Kraftaufwand ist.


Muss Burnout immer durch Arbeit entstehen?

Nach der offiziellen ICD-11-Definition bezieht sich Burnout auf chronischen Stress am Arbeitsplatz. Umgangssprachlich wird das Wort auch für Erschöpfung durch Pflege, Elternschaft, Studium oder andere dauerhafte Belastungen verwendet. Fachlich sind dann Begriffe wie emotionale Erschöpfung oder anhaltender Überlastungszustand genauer.


Wie lange dauert die Erholung von Burnout?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Dauer und Verlauf hängen unter anderem von der Schwere, der Dauer der vorausgegangenen Belastung, möglichen Begleiterkrankungen und davon ab, ob sich die Bedingungen tatsächlich verändern. Bei fortgeschrittener Erschöpfung kann die Erholung Monate dauern.


Gibt es einen seriösen Burnout-Test?

Fragebögen können Hinweise auf Erschöpfung, Distanz und nachlassende Leistungsfähigkeit geben. Sie stellen aber keine Diagnose und können Depression, körperliche Erkrankungen, Neurasthenie oder ME/CFS nicht zuverlässig ausschließen.

Ein Testergebnis sollte deshalb eher ein Anlass zur weiteren Abklärung sein als eine endgültige Antwort.


Kann aus Burnout eine Depression werden?

Anhaltende Überlastung und fehlende Regeneration können das Risiko depressiver Beschwerden erhöhen. Burnout geht aber nicht zwangsläufig in eine Depression über.

Wenn Freudverlust, depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit und Antriebsmangel zunehmend alle Lebensbereiche betreffen, sollte eine depressive Episode abgeklärt werden.


Wann ist eine Krankschreibung bei Burnout sinnvoll?

Eine Arbeitsunfähigkeit wird ärztlich anhand der konkreten Beschwerden und der beruflichen Funktionsfähigkeit beurteilt. Sie kann sinnvoll sein, wenn die Arbeit die Beschwerden deutlich verschärft oder eine verantwortbare Ausübung derzeit nicht möglich ist.

Wie lange sie notwendig ist, lässt sich nicht allgemein festlegen. Eine Krankschreibung schafft außerdem zunächst Entlastung, ersetzt aber keine weitere Diagnostik und Behandlung.


Soll ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich Burnout habe?

Du bist nicht verpflichtet, deinem Arbeitgeber eine konkrete Diagnose mitzuteilen. Ob und wie du eine Überlastung ansprichst, hängt von deiner Situation, dem Vertrauensverhältnis und möglichen betrieblichen Unterstützungsangeboten ab.

Bei arbeitsrechtlichen Fragen sind Betriebsrat, Personalrat, Gewerkschaft oder eine arbeitsrechtliche Beratung die geeigneteren Stellen.


Wie gelingt der Wiedereinstieg nach Burnout?

Ein Wiedereinstieg sollte sich an der tatsächlichen Belastbarkeit orientieren. Nach längerer Erkrankung kann eine stufenweise Wiedereingliederung infrage kommen.

Wichtig ist, nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch Aufgabenmenge, Verantwortung, Unterbrechungen und Erholungsmöglichkeiten zu betrachten. Eine Rückkehr in dieselben unveränderten Bedingungen birgt das Risiko einer erneuten Überlastung.


Hilft ein Jobwechsel gegen Burnout?

Ein Jobwechsel kann helfen, wenn die bisherigen Arbeitsbedingungen wesentlich zur Erkrankung beigetragen haben. Er allein verändert jedoch keine inneren Muster, die möglicherweise in einem neuen Umfeld wieder wirksam werden.

Meist ist die sinnvollere Prüfung: Welche äußeren Bedingungen müssen sich verändern, und was möchte ich selbst künftig anders gestalten? Denn schließlich nimmt man sich selbst immer mit - auch in den nächsten Job.


Wie erkenne ich Burnout bei einem Angehörigen?

Mögliche Hinweise sind zunehmende Erschöpfung, Gereiztheit, Rückzug, Zynismus, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, häufige körperliche Beschwerden und eine auffällige Veränderung im Verhältnis zur Arbeit.

Sprich konkrete Beobachtungen an, ohne eine Diagnose zu stellen:

„Ich erlebe dich seit einiger Zeit sehr erschöpft und zurückgezogen. Wie geht es dir wirklich?“

Wie kann ich Burnout vorbeugen?


Schutz bieten nicht nur Entspannungstechniken, sondern ein tragfähiges Verhältnis von Anforderungen, Einflussmöglichkeiten, Unterstützung und Regeneration.

Wichtig sind unter anderem:

  • realistische Arbeitsbedingungen,

  • soziale Unterstützung,

  • wahrnehmbare Grenzen,

  • Erholung ohne Leistungsziel,

  • ein Selbstwert, der nicht allein von Leistung abhängt,

  • mehrere tragende Lebensbereiche,

  • die Bereitschaft, früh Unterstützung zu suchen.



Hinweis zur Einordnung

Dieser Beitrag dient der Information und ersten Orientierung. Er ersetzt keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Diagnostik.

Anhaltende Erschöpfung und körperliche Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders bei deutlicher Verschlechterung nach geringer Belastung, starken Kreislaufbeschwerden, neu auftretenden neurologischen Symptomen oder dem Verdacht auf Long/Post-COVID beziehungsweise ME/CFS.

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