Psychosomatische Beschwerden: Symptome, Ursachen und was hilft
Es kann sehr verunsichern, wenn dein Körper deutliche Symptome zeigt und du gleichzeitig keine medizinische Erklärung dafür findest. Vielleicht hast du Schmerzen, eine Klos im Hals, Magenprobleme oder Herzklopfen. Vielleicht wurde medizinisch bereits einiges untersucht. Oder du hast sogar eine körperliche Diagnose und merkst trotzdem, dass Stress, Beziehungen oder bestimmte Situationen etwas an deinen Beschwerden verändern.
Gerade beim Thema Psychosomatik erleben Menschen immer wieder Stigmatisierung: das Gefühl, ihre Beschwerden rechtfertigen zu müssen, nicht ernst genommen zu werden oder mit dem Satz „Dann ist es wohl psychisch“ abgespeist zu werden.
Dabei bedeutet psychosomatisch weder eingebildet noch automatisch rein psychisch.
Psychosomatik beschreibt vielmehr einen Blick darauf, dass körperliche Vorgänge, psychisches Erleben, Nervensystem, Verhalten und soziale Lebensbedingungen miteinander verbunden sind. Eine körperliche Erkrankung kann die Psyche belasten. Psychische oder soziale Belastungen können körperliche Vorgänge beeinflussen. Und beides kann gleichzeitig der Fall sein.
In diesem Beitrag erfährst du, was mit psychosomatischen Beschwerden gemeint ist, welche Begriffe häufig durcheinandergeraten, welche unterschiedlichen Mechanismen eine Rolle spielen können und warum die Frage „körperlich oder psychisch?“ manchmal schon zu eng gestellt ist. Außerdem kannst du nachlesen, wie ich in meiner Praxis in München bei psychosomatischen Beschwerden arbeite.
Das Wichtigste in Kürze
Psychosomatische Beschwerden sind reale körperliche Beschwerden. Psychische oder soziale Einflussfaktoren machen ein Symptom nicht weniger wirklich.
Psychosomatik ist kein Entweder-oder. Eine körperliche Erkrankung und psychische Belastung können gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig beeinflussen.
„Funktionell“ bedeutet nicht „eingebildet“. Körperfunktionen können beeinträchtigt sein, auch wenn sich mit üblichen Untersuchungen keine ausreichende strukturelle Erklärung findet.
Es gibt nicht die eine Ursache psychosomatischer Beschwerden. Körperliche Prozesse, Nervensystem, frühere Erfahrungen und Prägungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Gefühle, Verhalten und Lebensbedingungen können in unterschiedlicher Gewichtung zusammenwirken.
Auch der Umgang mit den Symptomen ist individuell. Eine Situation vorübergehend zu meiden kann Selbstfürsorge sein – sie kann aber auch Teil einer zunehmenden Vermeidung werden. Entscheidend ist der Zusammenhang.
Psychotherapie muss nicht darauf ausgerichtet sein, ein Symptom möglichst schnell „wegzumachen“. Sie kann helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen, den Umgang mit dem Körper zu verändern und wieder mehr Handlungsspielraum zu entwickeln.
Medizinischer Hinweis: Neue, starke, akut auftretende oder deutlich veränderte körperliche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei potenziell lebensbedrohlichen Symptomen ist der Notruf 112 die richtige Anlaufstelle. Ein psychosomatischer Blick ersetzt keine notwendige medizinische Diagnostik.
Inhaltsverzeichnis
Was bedeutet psychosomatisch?
Der Begriff Psychosomatik setzt sich aus „Psyche“ und „Soma“, also Körper, zusammen. Im heutigen Verständnis geht es dabei nicht um die Vorstellung, dass die Psyche gewissermaßen Krankheiten in den Körper „hineinproduziert“.
Hilfreicher ist ein biopsychosozialer Blick:
Ein Mensch besteht nicht aus voneinander getrennten körperlichen und psychischen Teilen. Körperliche Vorgänge, Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Beziehungen, Arbeitsbedingungen, Schlaf, Bewegung, Stress und vieles andere wirken in einem gemeinsamen System - also dir.
Das lässt sich bereits an alltäglichen Reaktionen beobachten. Vor einem wichtigen Gespräch kann das Herz schneller schlagen. Bei Aufregung verändert sich die Verdauung. Dauerhafte Belastung kann den Schlaf beeinträchtigen und Muskelanspannung erhöhen. Umgekehrt können Schmerzen, chronische Erkrankungen oder körperliche Einschränkungen Angst, Erschöpfung oder depressive Beschwerden verstärken.
Die Richtung ist also nicht nur Psyche → Körper. Sie funktioniert genauso Körper → Psyche und häufig in mehreren Richtungen gleichzeitig.
Die neuere Forschung verwendet deshalb zunehmend Konzepte, die anhaltende körperliche Symptome unabhängig von einer vermeintlich rein körperlichen oder rein psychischen Ursache betrachten. Solche Beschwerden können nach Infektionen, Verletzungen oder körperlichen Erkrankungen auftreten, mit belastenden Lebensereignissen zusammenhängen oder ohne einen klar erkennbaren Ausgangspunkt beginnen.
Genau deshalb halte ich die Frage
„Ist das körperlich oder psychisch?“ oft für weniger hilfreich als: „Welche Faktoren könnten dazu beitragen, dass dieses Symptom gerade entsteht, stärker wird oder bestehen bleibt?“

Sind psychosomatische Beschwerden eingebildet?
Nein. Ein Symptom ist nicht weniger real, weil nicht alle beteiligten Mechanismen auf einem Röntgenbild, im Blutbild oder in einer anderen Untersuchung sichtbar sind.
D.h. wenn keine eindeutige körperliche Ursache gefunden wird, bedeutet das nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind.
Schmerz wird gespürt. Übelkeit wird gespürt. Ein Kloßgefühl im Hals wird gespürt. Herzklopfen, Schwindel, Erschöpfung oder Muskelanspannung sind tatsächliche Erfahrungen des Körpers.
Problematisch wird es, wenn aus einer unauffälligen Untersuchung vorschnell die Schlussfolgerung entsteht: „Dann ist da nichts.“ Oder:„Dann ist es eben psychisch.“
Zwischen einer nachweisbaren strukturellen (körperlichen) Schädigung und einem erfundenen Symptom liegt ein sehr großer Bereich körperlicher Regulation und Funktion.
Hinzu kommt: Eine körperliche Erkrankung und psychosoziale Einflussfaktoren schließen sich nicht gegenseitig aus.
Jemand kann beispielsweise eine chronische Schmerzerkrankung haben und gleichzeitig bemerken, dass die Schmerzen unter hoher Belastung stärker werden. Eine Magen-Darm-Erkrankung kann medizinisch behandelt werden und trotzdem auf Stress reagieren. Eine körperliche Erkrankung kann Angst auslösen – und Angst wiederum körperliche Aktivierung verstärken.
Das ist kein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Erkrankung „psychisch“ war.
Es zeigt, warum ein striktes Entweder-oder der Wirklichkeit häufig nicht gerecht wird.
Was ist der Unterschied zwischen psychosomatisch, funktionell und somatoform?
Diese Begriffe werden häufig nebeneinander benutzt, bedeuten aber nicht dasselbe.
Psychosomatisch beschreibt zunächst eine Perspektive: Körperliche, psychische und soziale Vorgänge werden in ihren Wechselwirkungen betrachtet. Das Wort allein ist noch keine spezifische Diagnose.
Funktionelle Körperbeschwerden ist ein medizinischer Begriff für Beschwerden, die sich durch die bisherige Diagnostik nicht ausreichend über eine strukturelle Erkrankung erklären lassen. Vereinfacht gesagt kann eine Funktion gestört oder verändert sein, auch wenn ein Organ nicht sichtbar verletzt, entzündet oder anderweitig strukturell geschädigt ist.
Somatoforme Störungen sind dagegen diagnostische Kategorien. In der in Deutschland verwendeten ICD-10 findet sich weiterhin die Gruppe der somatoformen Störungen unter F45.
Für dich als betroffene Person ist vor allem wichtig:
Ein Fachbegriff beschreibt nicht automatisch, wie dein individuelles Symptom entstanden ist.
Eine Diagnose oder Bezeichnung kann Orientierung geben. Sie ersetzt aber nicht die Frage, welche Faktoren bei dir persönlich eine Rolle spielen.
Welche psychosomatischen Beschwerden und Symptome gibt es?
Psychosomatische Zusammenhänge können sich sehr unterschiedlich zeigen.
Dazu können beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Kopf- und Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Erschöpfung, Schwindel, Herzklopfen, Beklemmungsgefühle, Atembeschwerden, Kribbeln, Juckreiz oder andere Körperempfindungen gehören. Auch ein Kloß- oder Engegefühl im Hals kann psychosomatischen Ursprungs sein.
Wichtig ist mir dabei eine klare Abgrenzung:
Aus dem Ort eines Symptoms lässt sich nicht automatisch seine psychische Bedeutung ableiten.
Rückenschmerzen bedeuten nicht automatisch, dass jemand „zu viel trägt“. Ein Kloß im Hals beweist nicht, dass etwas „nicht ausgesprochen“ wurde. Hautsymptome sind kein sicherer Hinweis auf ein Nähe-Distanz-Thema. Druck im Magen ist nicht automatisch ein Kontrollthema.
Solche Bilder können sich für einen einzelnen Menschen im Gespräch irgendwann stimmig anfühlen und können eine Brücke darstellen, um der Ursache näher zu kommen. Sie sind aber keine allgemeingültigen medizinischen Erklärungen.
Auch psychische Belastungen können sich mit körperlichen Beschwerden überschneiden. Wenn zum Beispiel Herzklopfen, Anspannung, Atemveränderungen, Schwindel und starke Sorge gemeinsam auftreten, kann auch das Thema Angst und innere Unruhe relevant sein.
Wenn dagegen länger anhaltende Müdigkeit, fehlende Regeneration und Überlastung im Vordergrund stehen, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf chronischen Stress, Burnout oder Depression und Erschöpfung.
Ein aktueller Forschungsblick: Beschwerden treten oft nicht einzeln auf
Eine 2026 veröffentlichte Studie der Forschungsgruppe SOMACROSS untersuchte mehr als 1.100 Patientinnen und Patienten mit länger anhaltenden körperlichen Beschwerden. Die Forschenden wollten wissen, welche Symptome häufig gemeinsam auftreten und wie sie miteinander zusammenhängen.
Dabei zeigten sich vier größere Gruppen von Beschwerden:
gastrointestinale Beschwerden: Magen und Darm
muskuloskelettale Beschwerden: Muskeln, Gelenke und Bewegungsapparat
kardiopulmonale Beschwerden: Herz, Kreislauf und Atmung
allgemeine Beschwerden: zum Beispiel Müdigkeit oder geringe Energie
Besonders auffällig war, dass Müdigkeit und geringe Energie mit vielen anderen Beschwerden zusammen auftraten.
Interessant war außerdem: Solche Zusammenhänge zwischen verschiedenen körperlichen Symptomen fanden sich nicht nur bei funktionellen oder psychischen Störungen, sondern auch bei körperlichen Erkrankungen.
Das bedeutet nicht, dass man daraus bei einer einzelnen Person eine bestimmte Ursache ableiten kann. Die Studie zeigt aber etwas Wichtiges: Körperliche Beschwerden treten oft nicht isoliert auf. Mehrere Symptome können gleichzeitig bestehen und miteinander zusammenhängen – unabhängig davon, ob eine eindeutig körperliche Ursache bekannt ist oder nicht.
Wann ist eine medizinische Abklärung wichtig?
Psychosomatik sollte nie bedeuten, körperliche Diagnostik zu überspringen.
Wenn ein Symptom neu auftritt, stark ist, sich deutlich verändert oder du dir wegen seiner Art Sorgen machst, ist eine ärztliche Einschätzung sinnvoll. Welche Untersuchung notwendig ist, hängt vom jeweiligen Symptom, seiner Dauer, Intensität, Entwicklung und deiner medizinischen Vorgeschichte ab.
Gleichzeitig gilt auch die andere Seite: Mehr Diagnostik ist nicht automatisch bessere Diagnostik.
Wenn bereits sinnvoll untersucht wurde, kann eine immer weitere Suche nach einer einzigen versteckten Ursache ebenfalls belastend werden.
Ein psychosomatischer Blick kann parallel beginnen. Du musst nicht warten, bis irgendeine Instanz endgültig entschieden hat, ob dein Symptom „körperlich“ oder „psychisch“ ist.
Manchmal ist es sinnvoll, beides gleichzeitig zu tun: medizinisch sorgfältig hinschauen und zusätzlich z.B. in einer Psychotherapie beobachten, welche Rolle Belastungen, Situationen, Gefühle oder Stressregulation spielen könnten.
Wie können psychosomatische Beschwerden entstehen und was erhält sie aufrecht?
Bei psychosomatischen Beschwerden gibt es meist nicht die eine Ursache. Körperliche Voraussetzungen, aktuelle Belastungen, frühere Erfahrungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit und der Umgang mit Symptomen können zusammenwirken – bei jedem Menschen in einer anderen Mischung.
Deshalb ist die Frage „Was ist die eine psychische Ursache?“ oft zu eng. Hilfreicher ist:
Was könnte dazu beitragen, dass dieses Symptom gerade auftritt, stärker wird oder bestehen bleibt?
Nicht die eine Ursache: Körper, Psyche und Lebenssituation wirken zusammen
Psychosomatische Beschwerden entstehen meist nicht aus einem einzigen klaren Auslöser. Häufig wirken mehrere Ebenen gleichzeitig zusammen: körperliche Voraussetzungen, aktuelle Belastungen, Schlaf, Stress, Beziehungen, Arbeitsbedingungen, Gefühle, Gedanken und der Umgang mit den Beschwerden.
Bei einer Person steht vielleicht eine körperliche Erkrankung im Vordergrund, bei einer anderen eine lange Phase von Überlastung. Bei wieder jemand anderem kommen mehrere Dinge zusammen. Genau deshalb ist es oft wenig hilfreich, nach „der einen psychischen Ursache“ zu suchen.
Wichtiger ist die Frage: Welche Faktoren spielen bei mir möglicherweise zusammen – und welche Faktoren haben einen Einfluss auf die Intensität meiner Beschwerden?
Das kann auch bedeuten, dass sich etwas gegenseitig verstärkt. Schmerzen können unter hoher Belastung stärker werden. Eine körperliche Erkrankung kann Angst oder Erschöpfung auslösen. Diese psychische Belastung kann wiederum die körperliche Aktivierung erhöhen oder die Wahrnehmung von Beschwerden verstärken.
Psychosomatik bedeutet deshalb für mich nicht: Die Psyche macht den Körper krank.Sondern eher: Körper, psychisches Erleben und Lebenssituation beeinflussen sich fortlaufend gegenseitig.
Welche Rolle können frühere Erfahrungen, Prägungen und Trauma spielen?
Auch frühere Erfahrungen können beeinflussen, wie ein Mensch heute auf Belastung reagiert.
Wer über längere Zeit viel Druck, Unsicherheit oder wenig Sicherheit erlebt hat, musste sich möglicherweise früh an bestimmte Situationen anpassen. Manche Menschen lernen zum Beispiel, sehr aufmerksam auf Veränderungen zu reagieren, Konflikte möglichst zu vermeiden, stark zu funktionieren oder eigene Bedürfnisse lange zurückzustellen.
Solche Erfahrungen können später mitprägen, wie schnell innere Anspannung entsteht, welche Situationen als belastend erlebt werden und wie deutlich der Körper darauf reagiert.
Auch traumatische Erfahrungen können dabei eine Rolle spielen. Nach sehr belastenden oder bedrohlichen Erfahrungen kann das körperliche Alarmsystem in bestimmten Situationen schneller anspringen. Reaktionen wie Herzklopfen, Muskelanspannung, Unruhe, Erstarrung oder Erschöpfung können dann leichter auftreten.
Das bedeutet aber nicht, dass hinter jedem psychosomatischen Symptom ein Trauma steckt.
Und es bedeutet auch nicht, dass man in der Vergangenheit unbedingt eine verborgene Ursache finden muss.
Frühere Erfahrungen sind ein möglicher Einflussfaktor unter mehreren. Entscheidend ist immer, ob sich im individuellen Erleben tatsächlich ein Zusammenhang zeigt – und ob dieser Blick hilft, die aktuellen Beschwerden besser zu verstehen.
Erwartungen beeinflussen, wie wir Körpersignale wahrnehmen
Unser Gehirn nimmt Körpersignale nicht einfach neutral auf. Es ordnet sie immer in einen Zusammenhang ein: Was habe ich schon erlebt? Was erwarte ich? Könnte dieses Gefühl gefährlich sein?
Wenn ein bestimmtes Körpergefühl zum Beispiel mehrfach in einer beängstigenden Situation aufgetreten ist, kann es später schneller Aufmerksamkeit und Alarm auslösen.
Dadurch kann sich auch das Körpergefühl selbst verstärken.
Das bedeutet nicht, dass man sich Beschwerden einbildet. Es bedeutet, dass Körperwahrnehmung immer auch davon beeinflusst wird, wie unser Gehirn ein Signal einordnet.
Körperwahrnehmung ist nicht dasselbe wie ständige Körperkontrolle
Mehr auf den Körper zu achten heißt nicht automatisch, ihn besser zu verstehen.
Wer ständig den Puls prüft, jede Veränderung im Bauch beobachtet oder jedes Ziehen bewertet, kann immer stärker auf einzelne Körpersignale fokussiert sein.
Achtsame Körperwahrnehmung meint etwas anderes: wahrnehmen, was gerade da ist, ohne sofort kontrollieren, bewerten oder eine Erklärung finden zu müssen.
Das kann auch bedeuten, neben dem Symptom wieder andere Dinge wahrzunehmen: Anspannung, Müdigkeit, Gefühle, Bedürfnisse – oder einfach die Tatsache, dass die Bedeutung des Symptoms im Moment noch unklar ist.
Warum der Körper in ähnlichen Situationen immer wieder ähnlich reagieren kann
Körperliche Reaktionen können sich mit bestimmten Situationen verknüpfen.
Vielleicht tritt Übelkeit immer wieder vor einem bestimmten Termin auf. Vielleicht beginnt der Rücken regelmäßig vor der Arbeitswoche zu schmerzen. Irgendwann kann bereits die Situation selbst eine körperliche Reaktion wahrscheinlicher machen.
Das ist eine mögliche Erklärung unter vielen. Nicht jedes wiederkehrende Symptom ist erlernt, und nicht jedes Nachdenken darüber verstärkt es automatisch.
Warum reagiert mein Körper, obwohl ich mich gar nicht gestresst fühle?
Man muss sich nicht bewusst gestresst fühlen, damit der Körper auf Belastung reagiert.
Das autonome Nervensystem steuert fortlaufend unter anderem Aktivierung, Kreislauf und Verdauung. Manche Belastungen werden körperlich spürbar, bevor wir selbst klar sagen können: „Das stresst mich.“
Trotzdem ist auch hier Vorsicht wichtig: Nicht jedes Symptom ist einfach ein „dysreguliertes Nervensystem“.
Treffender finde ich: Manchmal zeigt der Körper deutlicher oder früher, dass etwas belastend ist, als wir es bewusst in Worte fassen können.
Dann kann ein körperliches Symptom ein Hinweis sein, genauer hinzuschauen – aber keine fertige Übersetzung dafür, was psychisch „dahintersteckt“.
Wenn der Körper zum Wegweiser wird: Selbstfürsorge oder Vermeidung?
Mit Vermeidungsverhalten ist gemeint, dass wir Situationen, Tätigkeiten oder auch bestimmte Körperempfindungen meiden, weil wir Angst vor unangenehmen Folgen haben – zum Beispiel vor Schmerzen, Überforderung oder davor, dass ein Symptom, wie z.B. Angst, wieder auftritt.
Kurzfristig kann es entlasten, etwas zu vermeiden. Wenn Vermeidung aber immer mehr Lebensbereiche erfasst, kann sie Ängste und Unsicherheit langfristig aufrechterhalten und den eigenen Handlungsspielraum zunehmend verkleinern.
Beim Thema körperliche Beschwerden entsteht daraus schnell die vereinfachte Botschaft:
„Du darfst der Beschwerde nicht ausweichen, sonst verstärkst du sie.“
Auch das ist mir zu pauschal. Denn nicht jedes Meiden ist problematisches Vermeidungsverhalten. Manchmal bedeutet Abstand zu einer belastenden Situation schlicht, eine reale Grenze wahrzunehmen und sich zu schützen.
Stell dir vor, du bemerkst über längere Zeit, dass dein Rücken in einer bestimmten Situation regelmäßig schmerzt. Vielleicht während eines bestimmten Arbeitsablaufs. Vielleicht vor einem bestimmten Termin. Vielleicht in einer Beziehungssituation, in der du dich regelmäßig anspannst.
Du verstehst noch nicht genau, was passiert. Du weißt nicht, ob die Ursache körperlich, emotional, durch äußere Belastungen erzeugt oder eine Mischung daraus ist.
Dann kann es durchaus sinnvoll sein, eine Situation zunächst zu reduzieren oder Abstand zu nehmen.
Das kann Selbstfürsorge sein.
Du musst nicht gegen deinen Körper handeln, nur um zu beweisen, dass du „nicht vermeidest“.
Auf der anderen Seite kann sich Vermeidung verselbstständigen. Wenn immer mehr Situationen ausschließlich deshalb gemieden werden, weil ein Symptom auftreten könnte, kann der eigene Lebensraum zunehmend kleiner werden.
Gerade bei Angst und innerer Unruhe kann diese Dynamik eine wichtige Rolle spielen.
Die Unterscheidung lässt sich deshalb nicht allein daran treffen, ob du etwas vermeidest.
Spannender sind andere Fragen:
Führt die Entscheidung dazu, dass du dich besser schützt und wieder mehr Wahlmöglichkeiten bekommst? Oder musst du zunehmend mehr Situationen vermeiden, damit du dich sicher fühlst? Gibt es eine reale Überforderung oder Grenze? Wird dein Leben dadurch wieder stimmiger – oder immer enger?
Und manchmal lautet die Antwort zunächst einfach: Ich weiß es noch nicht.
Das halte ich für vollkommen legitim.nDu kannst beobachten, wann ein Symptom auftaucht, was unmittelbar davor passiert, was es verändert und was du in dieser Situation körperlich und emotional wahrnimmst – ohne sofort entscheiden zu müssen, was es „bedeutet“.
Genau dann kann ein anderer Umgang mit dem Körper beginnen.
Mehr darüber, wie Selbstfürsorge sich von bloßer Selbstoptimierung unterscheiden kann, findest du in meinem Beitrag „Selbstfürsorge: Was hinter dem Modewort steckt – und warum es nicht nur das Schaumbad ist“.

Wenn du merkst, dass körperliche Beschwerden immer wieder mit bestimmten Lebenssituationen zusammenfallen und du alleine schwer einordnen kannst, was dahintersteckt, können wir das auch gemeinsam anschauen.
Was kann bei psychosomatischen Beschwerden helfen?
Es gibt keine einzelne Methode, die für jede Form psychosomatischer oder funktioneller Beschwerden passend ist.
Gerade weil unterschiedliche Faktoren zusammenwirken können, kann auch die Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen.
Je nach Beschwerdebild kann eine medizinische Behandlung wichtig sein. Physiotherapie, Bewegung, Ergotherapie, Ernährungsberatung oder andere körperbezogene Behandlungen können sinnvoll sein.
An anderer Stelle kann es wichtiger werden, Schlaf, Arbeitsbedingungen, Überforderung, Konflikte oder andere äußere Belastungen anzuschauen.
Auch Entspannungsverfahren, Achtsamkeit oder Psychotherapie können Teil eines multimodalen Vorgehens sein.
Dabei ist das Ziel nicht zwingend: „Das Symptom muss sofort weg.“
Manchmal verändert sich zuerst etwas anderes:
Du verstehst besser, wann deine Beschwerden stärker werden.
Du hast weniger Angst vor ihnen.
Du erkennst früher, wenn etwas zu viel wird.
Du beginnst wieder Dinge zu tun, die dir wichtig sind.
Du merkst deutlicher, wann dein Körper Ruhe braucht und wann er trotz eines unangenehmen Signals belastbar ist.
Eine Verbesserung der Lebensqualität kann also bereits beginnen, bevor ein Symptom vollständig verschwunden ist.
Wann kann Psychotherapie bei psychosomatischen Beschwerden sinnvoll sein?
Psychotherapie kann eine Möglichkeit sein, wenn körperliche Beschwerden dein Leben über längere Zeit stark beschäftigen oder einschränken und du zusätzlich verstehen möchtest, welche Rolle Stress, Gefühle, Lebensbedingungen, Beziehungen oder bestimmte Situationen dabei spielen könnten.
Du brauchst dafür keine fertige psychische Erklärung.
Du musst auch nicht davon überzeugt sein, dass dein Symptom „von der Psyche kommt“.
Gerade diese Forderung würde wieder ein künstliches Entweder-oder erzeugen.
Psychotherapeutische Begleitung kann parallel zu ärztlicher Diagnostik und medizinischer Behandlung stattfinden. Eine körperliche Diagnose schließt Psychotherapie genauso wenig aus wie Psychotherapie eine medizinische Behandlung ersetzt.
Eine wichtige Abgrenzung kann außerdem sinnvoll sein, wenn nicht das körperliche Symptom selbst, sondern zunehmend die Angst vor einer schweren Erkrankung das Leben bestimmt – etwa durch häufiges Körperscanning, Googeln, Rückversicherungen oder nur sehr kurz anhaltende Beruhigung nach ärztlichen Untersuchungen.
Dann kann Krankheitsangst beziehungsweise Hypochondrie ein eigenes Thema sein.
Auch körperliche Symptome im Rahmen von Angst und innerer Unruhe können ähnlich aussehen, folgen aber einer anderen Fragestellung.
Wenn du wissen möchtest, wie ich Menschen mit körperlichen Beschwerden und einem möglichen Zusammenhang mit Belastung therapeutisch begleite, findest du auf meiner Seite zur Psychotherapie bei psychosomatischen Beschwerden in München weitere Informationen zu meinem Angebot, meiner Arbeitsweise und dem Ablauf.
Wenn du zunächst ganz unverbindlich klären möchtest, ob meine Arbeitsweise zu deiner Situation passt:
Therapie bei psychosomatischen Beschwerden in München: Wie ich arbeite
In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in München-Au ist die personenzentrierte Gesprächstherapie nach Carl Rogers die Grundlage meiner Arbeit.
Wenn du mit körperlichen Beschwerden zu mir kommst, versuche ich nicht, dir zu beweisen, dass dein Symptom „psychisch“ ist.
Mich interessiert zunächst, wie du es tatsächlich erlebst. Folgende Fragen können uns beiden helfen, dich besser zu verstehen:
Wann tritt es auf?
Gibt es Situationen, in denen es stärker oder schwächer wird?
Wie verändert es deinen Alltag?
Was passiert unmittelbar davor?
Was glaubst du selbst darüber?
Was macht dir Angst?
Gibt es Momente, in denen du merkst, dass du über eine eigene Grenze gehst?
Und gibt es genauso Situationen, in denen die körperliche Reaktion vielleicht gar keinen erkennbaren psychischen Zusammenhang hat?
Manchmal kann es hilfreich sein, solche Beobachtungen eine Zeit lang aufzuschreiben. Nicht mit dem Ziel, den Körper rund um die Uhr zu überwachen, sondern um mit etwas Abstand Muster erkennen zu können.
Den Körper wahrnehmen, ohne ihn ständig zu kontrollieren
Je nach Anliegen kann ich dir ergänzend Körperwahrnehmung oder Achtsamkeitsübungen vorschlagen.
Dabei geht es für mich nicht darum, immer tiefer in ein Symptom hineinzuspüren.
Manchmal ist die wichtigere Frage: Was nehme ich außer diesem Symptom noch wahr?
Vielleicht bemerkst du Anspannung. Vielleicht Müdigkeit. Vielleicht Wut oder Angst. Vielleicht das Bedürfnis nach Abstand. Vielleicht merkst du auch einfach nur: Da ist gerade Schmerz – und ich kann noch nicht sagen, womit er zusammenhängt.
Auch das ist eine gültige Wahrnehmung.
Körperarbeit wird dadurch nicht zu einer Methode, mit der jedes Symptom entschlüsselt werden muss.
Sie kann eine Möglichkeit sein, wieder mehr Kontakt zum eigenen Innenleben zu entwickeln.
Mehr über die Grundlage meiner therapeutischen Arbeit findest du auf meiner Seite zur personenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers.
Der Körper kann Hinweise geben – aber keine fertigen Diagnosen
Ich erlebe den Körper in meiner Arbeit durchaus als möglichen Wegweiser.
Manchmal zeigt sich körperlich sehr deutlich, dass etwas anstrengend, eng oder zu viel geworden ist, bevor eine Person bewusst formulieren kann, was genau sie belastet.
Dann finde ich es interessant, dem nachzugehen.
Therapie muss nicht bedeuten, ein Symptom möglichst schnell loszuwerden
Dieser Punkt ist ein wesentlicher Teil meiner Haltung.
Natürlich darfst du dir wünschen, dass Beschwerden verschwinden.
Aber Therapie wird problematisch, wenn der eigene Körper nur noch zu einem Gegner wird, der endlich wieder funktionieren soll.
Manchmal besteht ein wichtiger therapeutischer Schritt zunächst darin, eine andere Perspektive dazu einzunehmen, was gerade in dir geschieht.
Vielleicht wird eine Belastung sichtbar, die du lange ausgehalten hast. Vielleicht lernst du, zwischen einem unangenehmen Körpersignal und einer tatsächlichen Gefahr zu unterscheiden. Vielleicht nimmst du eigene Grenzen früher wahr. Vielleicht entsteht wieder mehr Leben neben dem Symptom.
Symptomfreiheit kann ein Wunsch sein. Sie ist aber nicht der einzige mögliche Maßstab dafür, ob sich etwas verbessert.
Die Sitzungen finden in meiner Praxis in München-Au oder online statt. Meine Praxis ist eine Privatpraxis; die Behandlung erfolgt als Selbstzahlerleistung. 50 Minuten kosten 120 €, 90 Minuten 210 €.
Wenn du zunächst herausfinden möchtest, ob meine Arbeitsweise zu dir und deinem Anliegen passt: Kostenfreies Kennenlerntelefonat vereinbaren
Häufige Fragen zu psychosomatischen Beschwerden
Kann ich psychosomatische Beschwerden haben, obwohl ich mich gar nicht gestresst fühle?
Ja, das ist möglich. Bewusstes Stresserleben und körperliche Aktivierung sind nicht identisch. Außerdem können neben Stress viele weitere körperliche, psychische und soziale Faktoren beteiligt sein.
Dass du dich subjektiv nicht gestresst fühlst, beweist deshalb weder einen psychosomatischen Zusammenhang noch schließt es ihn aus.
Können eine körperliche Erkrankung und psychische Belastung gleichzeitig bestehen?
Ja. Eine körperliche Erkrankung kann psychisch belastend sein, und psychische oder soziale Faktoren können wiederum beeinflussen, wie Beschwerden erlebt werden oder wie stark sie in bestimmten Situationen auftreten.
Ein psychosomatischer Zusammenhang bedeutet deshalb nicht, dass eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen sein muss.
Können frühe Erfahrungen oder Trauma psychosomatische Beschwerden verursachen?
Frühere belastende oder traumatische Erfahrungen können einer von mehreren möglichen Einflussfaktoren sein. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass ein aktuelles körperliches Symptom automatisch traumabedingt ist.
Bei psychosomatischen Beschwerden ist es sinnvoller, das individuelle Zusammenspiel aus körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren zu betrachten, statt nach einer einzigen verborgenen Ursache zu suchen.
Wie lange können psychosomatische Beschwerden dauern?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Manche Beschwerden sind vorübergehend, andere können über längere Zeit bestehen.
Verlauf und Behandlung hängen stark davon ab, welche körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren beteiligt sind. Anhaltende oder zunehmende Beschwerden sollten immer medizinisch eingeordnet werden.
Muss ich an eine psychische Ursache glauben, damit Psychotherapie helfen kann?
Nein. Du musst nicht mit der Überzeugung in eine Therapie kommen, dass deine Beschwerden psychisch verursacht sind.
Es kann zunächst darum gehen, gemeinsam offen zu untersuchen, wie du die Beschwerden erlebst, was sie beeinflusst und welche Zusammenhänge möglicherweise eine Rolle spielen.
Was ist der Unterschied zwischen psychosomatischen Beschwerden und Krankheitsangst/Hypochondrie?
Bei psychosomatischen oder funktionellen Beschwerden steht zunächst ein tatsächlich erlebtes körperliches Symptom im Vordergrund.
Bei Krankheitsangst kann die anhaltende Befürchtung, schwer erkrankt zu sein, selbst zum zentralen Problem werden – beispielsweise durch wiederholtes Kontrollieren, Googeln oder den starken Wunsch nach Rückversicherung.
Beides kann sich überschneiden und sollte nicht allein anhand eines einzelnen Verhaltens selbst diagnostiziert werden.
Ausführlicher beschreibe ich das in meinem Beitrag über Krankheitsangst und Hypochondrie.
Wann ist eine psychosomatische Klinik sinnvoll?
Eine psychosomatische Klinik kann insbesondere dann infrage kommen, wenn Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind, mehrere Lebensbereiche erheblich beeinträchtigen oder eine ambulante Behandlung nicht ausreicht.
Ob eine ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung passend ist, sollte individuell mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson geklärt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
Zur Autorin
Hallo, ich bin Selina, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich begleite Erwachsene in meiner Privatpraxis für Psychotherapie in München sowie online.

Grundlage meiner Arbeit ist die personenzentrierte Gesprächstherapie nach Carl Rogers. Je nach Anliegen können ergänzend Meditation und Achtsamkeit, körperorientierte Arbeit, Atemarbeit und systemische Übungen einfließen.
Mir ist wichtig, psychische Beschwerden nicht vorschnell zu erklären oder nur darauf zu schauen, wie du wieder besser funktionierst. In der Therapie geht es zunächst darum, genauer wahrzunehmen, was du erlebst, Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsam herauszufinden, welche Veränderungen für dich stimmig sein können.
Mehr über meinen fachlichen Hintergrund, meine Aus- und Weiterbildungen und meine Arbeitsweise findest du auf der Seite „Über mich“.
Privatpraxis für Psychotherapie nach HeilprG · München und online · Selbstzahlerleistung
50 Minuten: 120 € · 90 Minuten: 210 €
Stand: Oktober 2026




