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Das systemische Brett: Funktion & Wirkung

Systemisches Brett, Figuren bunt aufgestellt

Manche Themen lassen sich schwer in Worte fassen. Vielleicht spürst du, dass dich etwas beschäftigt, aber du kannst noch nicht genau greifen, worum es eigentlich geht. Das systemische Brett kann dabei helfen, innere Bilder, Beziehungsmuster, Konflikte oder Entscheidungssituationen sichtbar zu machen.


In diesem Beitrag erfährst du, was das systemische Brett ist, wie eine Sitzung ablaufen kann und welche Wirkung diese Form der therapeutischen Arbeit haben kann.



Was ist das systemische Brett?


Das systemische Brett ist ein achtsames, bildhaftes Werkzeug aus der systemischen Arbeit. Ursprünglich stammt es aus der systemischen Familientherapie. Bekannt wurde es unter anderem als Familienbrett, mit dem Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und anderen sozialen Systemen sichtbar gemacht werden können.


In der heutigen therapeutischen Arbeit wird das systemische Brett nicht nur für Familienthemen genutzt. Es kann auch hilfreich sein, wenn es um Beziehungen, innere Konflikte, Entscheidungen, berufliche Rollen, Grenzen, Ambivalenzen oder innere Anteile geht.


Dabei werden Figuren, Symbole oder Gegenstände auf einem Brett aufgestellt. Sie können für Menschen, Gefühle, innere Stimmen, Bedürfnisse, Ressourcen oder Lebensbereiche stehen. Was vorher vielleicht nur als diffuses Gefühl da war, bekommt dadurch eine Form im Außen.

Es zeigt ein inneres Bild, mit dem wir gemeinsam in Beziehung treten können.
Systemiswches Brett, beispielhafte Aufstellung

Was ist ein "System"? Was bedeutet "systemisch"?


In der systemischen Arbeit wird ein Mensch nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit seinen Beziehungen, Rollen, inneren Anteilen und Lebensumständen.


Ein System kann eine Familie sein, eine Partnerschaft, ein Team, ein berufliches Umfeld, oder auch ein inneres Spannungsfeld in dir selbst.




Systemisches Brett oder klassische Aufstellung - was ist der Unterschied?


Viele Menschen denken bei „Aufstellung“ sofort an Gruppenaufstellungen oder Familienaufstellungen mit Stellvertreter*innen. Das systemische Brett ist anders.


Beim systemischen Brett arbeiten wir meist im Einzelsetting. Die Figuren auf dem Brett dienen als Stellvertreter. Du selbst entscheidest, welche Figuren du auswählst, wofür sie stehen und wo sie ihren Platz bekommen.


Es wird nichts „aufgedeckt“, was du nicht anschauen möchtest. Es geht auch nicht darum, objektive Wahrheiten über andere Menschen zu behaupten. Vielmehr geht es darum, dein inneres Bild sichtbar zu machen und gemeinsam achtsam zu betrachten.


Du bleibst während des gesamten Prozesses selbstbestimmt.




Bei welchen Themen kann das systemische Brett hilfreich sein?


Die Arbeit mit dem systemischen Brett kann bei ganz unterschiedlichen Themen eingesetzt werden. Vielleicht findest du dich in einem dieser Punkte wieder:


  • du stehst vor einer Entscheidung und kommst gedanklich nicht weiter

  • du erlebst immer wieder ähnliche Beziehungsmuster

  • du fühlst dich innerlich zerrissen oder ambivalent

  • du möchtest ein familiäres Thema besser verstehen

  • du spürst Schuldgefühle, Pflichtgefühl oder innere Enge

  • du möchtest deine Grenzen klarer wahrnehmen

  • du hast das Gefühl, in einer beruflichen oder privaten Rolle festzustecken

  • du möchtest innere Anteile sichtbar machen

  • du suchst mehr Klarheit in einer Übergangsphase

  • du willst verstehen, warum dich ein bestimmtes Thema emotional so stark berührt


Das systemische Brett kann besonders dann hilfreich sein, wenn Worte allein nicht ausreichen, um dein Innerstes auszudrücken.


Manche Menschen denken sehr viel über ihr Thema nach, kommen aber innerlich nicht weiter. Andere fühlen sehr viel, können es aber schwer sortieren. Das Brett kann eine Brücke zwischen Denken, Fühlen und Verstehen schaffen.




Wie läuft eine Therapiestunde mit dem systemischen Brett ab?


Eine Sitzung mit dem systemischen Brett folgt keinem starren Schema. Der Prozess richtet sich nach dir, deinem Anliegen und dem, was sich im Moment zeigt. Trotzdem gibt es typische Schritte, die dir Orientierung geben können.


  1. Ankommen und Anliegen klären


Systemisches Brett, Klärung des Anliegens im Gespräch

Zu Beginn schauen wir gemeinsam, welches Thema du aufstellen möchtest.


Manchmal ist das sehr klar. Vielleicht sagst du: „Ich weiß nicht, ob ich mich trennen soll“ oder „Ich komme mit meiner Mutter immer wieder in dieselbe Dynamik.“


Manchmal ist das Anliegen aber auch noch vage. Dann kann es eher so klingen:

„Ich fühle mich blockiert“ oder „Ich weiß gar nicht genau, was los ist, aber irgendetwas stimmt nicht.“


In der Anliegenklärung können unterschiedliche Fragen helfen:

  • Was beschäftigt dich gerade am meisten?

  • Was wolltest du immer schon mal wissen?

  • Was soll am Ende der Sitzung klarer sein als jetzt?

  • Wer oder was gehört zu diesem Thema dazu?

  • Wo spürst du das Thema in dir?

  • Was wäre ein erster kleiner Schritt in Richtung Klarheit?


Die Qualität der Aufstellung hängt stark davon ab, wie sorgfältig das Anliegen geklärt wird.



  1. Elemente bestimmen und Figuren auswählen


Im nächsten Schritt überlegen wir, welche Personen, inneren Anteile, Gefühle oder Themen auf das Brett gehören.


Das können reale Menschen sein, zum Beispiel Partner*in, Mutter, Vater, Kind, Kollegin oder Vorgesetzter. Es können aber auch innere Anteile oder abstrakte Elemente sein, zum Beispiel Angst, Wut, Freiheit, Pflichtgefühl, Grenze, Sehnsucht, Sicherheit oder ein möglicher neuer Lebensweg.


Systemisches Brett, Figuren bunt

Du wählst dann Figuren oder Symbole aus, die für diese Elemente stehen. Schon diese Auswahl kann interessant sein: Welche Figur passt intuitiv? Welche wirkt nah, fremd, stark, klein, schwer oder beweglich?

Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch. Entscheidend ist, was für dich stimmig ist.



  1. Der Aufstellungsprozess: das innere Bild zeigt sich


Systemisches Brett, Aufstellungsprozess, Beispiel für Aufstellung

Du stellst die Figuren nach und nach auf dem Brett auf. Du entscheidest, wer wo steht, wer wem zugewandt ist, wer welchen Abstand hat, wer im Zentrum steht und wer vielleicht am Rand auftaucht.


Oft zeigt sich dabei etwas, das vorher nicht bewusst war: Vielleicht steht eine Figur weiter weg, als du erwartet hättest. Vielleicht ist eine andere viel näher. Vielleicht wird sichtbar, dass ein wichtiger Anteil gar keinen Platz hat. Oder dass du selbst im Bild kaum Raum einnimmst.


Das Brett macht sichtbar, was innerlich vielleicht schon lange spürbar war.



  1. Wahrnehmen und beschreiben


Während der gesamten Aufstellung und auch am Ende schauen wir gemeinsam auf das entstehende bzw. das entstandene Bild:


Dabei frage ich dich - oder du dich selbst beispielsweise:


  • Was fällt dir auf?

  • Wo geht dein Blick zuerst hin?

  • Welche Figur wirkt besonders wichtig?

  • Welche steht allein?

  • Welche ist dir zu nah?

  • Welche fehlt vielleicht noch?

  • Was überrascht dich?

  • Was fühlt sich stimmig an — und was nicht?


Dieser Schritt ist wichtig, weil er Verlangsamung schafft. Du musst nichts sofort erklären oder lösen können. Du darfst erst einmal sehen, was sich da vor dir zeigt.



  1. Perspektivwechsel ermöglichen


Ein besonderer Wert des systemischen Bretts liegt darin, dass du dein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kannst.


Systemisches Brett, Perspektivwechsel
Systemisches Brett, Perspektivwechsel
















Du kannst aus deiner eigenen Position schauen. Du kannst aber auch überlegen, wie eine andere Figur die Situation erleben könnte. Oder du trittst innerlich einen Schritt zurück und betrachtest das ganze Bild von außen.



  1. Veränderungen ausprobieren


Wenn das aktuelle Bild betrachtet wurde, kommt ggf. der Punkt, an dem vorsichtig Veränderungen ausprobiert werden können.

Figuren können bewegt, ergänzt, gedreht oder in einen anderen Abstand gebracht werden.


Dabei geht es nicht darum, die Realität auf Biegen und Brechen zu verändern. Du bekommst so die Möglichkeit zu Erforschen, wie sich die Veränderung anfühlen könnte.


Das könnte sein:

  • Wie würde es sich anfühlen, wenn du mehr Abstand hättest?

  • Was verändert sich, wenn deine Grenze sichtbar wird?

  • Welche Ressource fehlt noch?

  • Was wäre ein kleiner nächster Schritt?

  • Welche Bewegung fühlt sich stimmig an — und welche nicht?


Das systemische Brett ermöglicht es, mit inneren Möglichkeiten zu experimentieren. So kannst du dich etwas Neuem ganz behutsam annähern.



  1. Integration der Erkenntnisse und Anbindung an den Alltag


Puzzleteile werden integriert, systemisches Brett, Aufstellung

Am Ende der Sitzung geht es darum, das Erlebte einzuordnen: Was nimmst du aus dem Bild mit? Was hat dich berührt? Was ist klarer geworden? Gibt es einen Gedanken, eine Körperempfindung oder eine innere Bewegung, die nachwirkt?


Eine Aufstellung muss nicht sofort eine Lösung bringen. Manchmal ist der erste wichtige Schritt, überhaupt zu sehen, wie sich etwas innerlich anordnet.




Was kann durch das systemische Brett sichtbar werden?


Durch die Arbeit mit dem systemischen Brett können unterschiedliche Aspekte eines Themas sichtbar werden:


  • Nähe und Distanz

  • Blickrichtungen und Abwendungen

  • Rollen und Erwartungen

  • innere Anteile

  • Grenzen

  • Loyalitäten

  • Ambivalenzen

  • Ressourcen

  • übersehene Bedürfnisse oder fehlende Elemente

  • Beziehungsmuster

  • mögliche nächste Schritte


Wenn etwas Inneres nach außen gebracht wird, kannst du dich möglicherweise leichter von einer Verschmelzung mit einem Thema lösen. Du kannst es anschauen, umkreisen, beschreiben und neu dazu in Beziehung treten.



Welche Wirkung kann das systemische Brett haben?


Die Arbeit mit dem systemischen Brett kann auf verschiedenen Ebenen wirken. Wichtig ist: Es gibt kein Wirkversprechen. Jeder Mensch erlebt diese Arbeit anders.


Manchmal entsteht kurzfristig mehr innere Sortierung. Etwas, das vorher diffus war, bekommt eine Form. Manchmal wird ein Zusammenhang sichtbar, der vorher nur gefühlt wurde. Manchmal entsteht Abstand zu einem Thema, das vorher überwältigend wirkte. Möglicherweise entdeckst du neue Ressourcen oder erkennst einen dir vorher verborgenen Weg.


Langfristig kann ein Bild aus der Sitzung nachwirken. Manche Menschen erinnern sich später an eine bestimmte Figur, einen Abstand, eine Blickrichtung oder einen Satz. Dadurch kann sich die innere Haltung zu einem Thema langsam verändern.


Aus „Ich fühle mich nicht richtig“ kann vielleicht werden: „Da ist ein Anteil in mir, der gesehen werden möchte.“ Aus „Ich weiß nicht, was los ist“ kann werden: „Jetzt sehe ich, welche Kräfte in mir wirken.“ Aus „Ich stecke fest“ kann werden: „Vielleicht gibt es einen ersten kleinen Schritt.“


Die Arbeit mit dem Brett verändert nicht automatisch dein Leben. Aber es kann etwas anstoßen: ein Erkennen, ein Innehalten, eine neue Perspektive oder ein erstes Gefühl dafür, was sich wirklich für dich stimmig anfühlt.




Die Rolle der Therapeutin: Begleitung statt Vorgaben


Ich verstehe das systemische Brett nicht als Methode, mit der ich dich bewerte oder dein Leben deute. Ich sage dir nicht, was deine Aufstellung „bedeutet“.


Meine Rolle ist es, dich achtsam durch den Prozess zu begleiten: Ich frage, spiegele, verlangsame, gebe Hinweise und halte den Raum.


Die Bedeutung entsteht aus deinem Erleben während der Aufstellung.


Der Prozess liegt zu jeder Zeit in deiner Hand: Du entscheidest, was aufgestellt wird, was angeschaut wird und auch, wo ggf. eine Grenze ist.




Achtsames Arbeiten mit dem systemischen Brett: Grenzen und Verantwortung


Das systemische Brett ist kein Allheilmittel. Es ersetzt keine Diagnostik und ist kein objektiver Test. Es gibt keine richtige oder falsche Aufstellung.


Gerade bei sehr belastenden Themen, starker Traumatisierung oder emotionaler Instabilität braucht es ein besonders achtsames und stabilisierendes Vorgehen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, zunächst nicht mit dem Brett zu arbeiten, sondern erst mehr innere Sicherheit aufzubauen.


Veränderung wird nicht erzwungen. Es geht nicht darum, möglichst schnell etwas „umzustellen“. Es geht darum, in deinem Tempo zu sehen, was gesehen werden möchte.




Das systemische Brett als Ergänzung zur Gesprächstherapie


In meiner Praxis ist das systemische Brett kein Ersatz für das therapeutische Gespräch. Es kann das Gespräch ergänzen, vertiefen und Dinge sichtbar machen. Wir binden es in deinen Prozess ein, wenn es thematisch passt, wenn unsere Beziehung stabil ist und wenn wir beide das Gefühl haben, dass es für dich an diesem Punkt in deinem Leben stimmig sein könnte.


Ich biete die Arbeit mit dem systemischen Brett ausschließlich vor Ort in meiner Praxis an - nicht online und nicht als einzelne, losgelöste Sitzung ohne vorher aufgebaute therapeutische Beziehung.


Für diese Form der Arbeit nehme ich mir bewusst 90 Minuten Zeit, weil nicht nur das Aufstellen selbst wichtig ist, sondern auch das Ankommen, Nachspüren und Einordnen danach.


Wenn du spürst, dass dich diese Form der Arbeit anspricht, kannst du gerne ein kostenloses Kennenlerntelefonat vereinbaren. Dort können wir gemeinsam schauen, ob wir uns sympatisch sind und ob dir meine Art zu Arbeiten zusagt.




Zur Autorin: Hallo, ich bin Selina, Heilpraktikerin für Psychotherapie.


Ich arbeite mit Einzelpersonen und mit Gruppen in meiner Praxis in München Bogenhausen - und online.


Mein Menschenbild ist von der Überzeugung geprägt, dass jeder Mensch selbst am besten weiß, was für sie oder ihn richtig ist. Ich unterstütze Menschen dabei, genau diese innere Stimme zu finden.


Die von mir angewandte Gesprächstherapie wird untermalt mit Interventionen aus Achtsamkeit & Meditation und Tools aus der Systemik, um inneren Wahrheiten für dich sichtbar zu machen.


Heilpraktikerin für Psychotherapie, Selina Futterer

FAQ


Was ist das systemische Brett?

Das systemische Brett ist ein therapeutisches Werkzeug, mit dem innere Bilder, Beziehungsmuster, Konflikte oder Entscheidungssituationen mithilfe von Figuren sichtbar gemacht werden können.


Für wen ist das systemische Brett geeignet?

Es kann hilfreich sein für Menschen, die ein Thema nicht nur besprechen, sondern sichtbar machen möchten. Besonders passend kann es sein bei Beziehungsthemen, Entscheidungen, innerer Ambivalenz, Grenzen, familiären Prägungen oder inneren Anteilen.


Ist das systemische Brett eine Familienaufstellung?

Nicht im klassischen Sinn. Beim systemischen Brett wird meist im Einzelsetting gearbeitet. Die Figuren dienen als Stellvertreter. Es geht nicht darum, objektive Wahrheiten aufzudecken, sondern ein inneres Bild sichtbar und besprechbar zu machen.


Muss ich vorher genau wissen, welches Thema ich aufstellen möchte?

Nein. Manchmal ist das Anliegen am Anfang noch unklar. Dann klären wir gemeinsam, worauf du schauen möchtest und welches Thema im Moment wichtig ist.


Kann das systemische Brett auch bei Entscheidungen helfen?

Ja, das systemische Brett kann hilfreich sein, wenn verschiedene Möglichkeiten, innere Anteile oder Konsequenzen einer Entscheidung sichtbar gemacht werden sollen. Es nimmt dir die Entscheidung nicht ab, kann aber helfen, deine innere Dynamik klarer wahrzunehmen.


Wird beim systemischen Brett etwas über mich gedeutet?

Nein. Ich arbeite nicht deutend im Sinne von: „Das bedeutet jetzt dies oder das.“ Du bleibst die Person, die dem Bild Bedeutung gibt. Ich begleite mit Fragen, Spiegelung und achtsamer Präsenz.


Bietest du das systemische Brett auch online an?

Nein. Ich biete diese Arbeit ausschließlich vor Ort in meiner Praxis an und nur eingebunden in einen therapeutischen Prozess.

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